Mein Onkel Daniel hat schon immer gern süßen Wein getrunken. Es wirft ein schlechtes Licht auf den Rest meiner Familie, dass wir mit dem Wort »lieblich« nicht nur dem so etikettierten Wein einen flachen Geschmack unterstellten, sondern auch seinem Trinker. Zur Ehrenrettung des Süßweins (und meines Onkels) habe ich den Weg des Büßers beschritten: nach Düsseldorf.

Dort arbeitet die Sommelière Sharin Polte. Wenn man die Kriterien für Restaurant-Empfehlungen im Guide Michelin wörtlich auf Menschen mit Weinexpertise anwendet, hat Polte drei Sterne verdient: Sie ist eine eigene Reise wert. Im Schatten der Kirche St. Peter, im Sternerestaurant Agata’s, sagt sie von sich: »Wenn ich es mir aussuche, greife ich eher nach trockenen oder holzigen Weißweinen.« Genau deshalb ist sie die ideale Expertin für diese Verkostung.