„Wölfe jagen niemals allein“, predigt László Hollósy seinen Spielerinnen: „Sie sind nur gemeinsam stark.“ Und entsprechend dieser Philosophie treten die Volleyballfrauen des VfB Suhl Lotto Thüringen auch auf. Sie unterstützen sich gegenseitig, kämpfen um jeden Ball, geben niemals auf, agieren als Team. Vor allem bei den Heimspielen in der „Wolfsgrube“, in „unserem Revier“, wie Hollósy die Sporthalle in der thüringischen Kleinstadt nennt. Am Mittwochabend gelang seinen Wölfinnen dort wettbewerbsübergreifend der 16. Sieg nacheinander: Zum Auftakt der Finalserie um die deutsche Volleyball-Meisterschaft gewannen sie 3:0 (25:22, 25:22, 25:16) gegen den sechsmaligen deutschen Meister Dresdner SC.
Nach dem überraschenden Pokaltriumph vor wenigen Wochen in Mannheim über den favorisierten MTV Stuttgart scheint die nächste Beute für das fränkisch-thüringische Kleinstadt-Rudel greifbar: der erste deutsche Meistertitel.
Suhler Erfolgsgeschichte mit langem Anlauf
Die erstaunliche Erfolgsgeschichte basiert auf einem größeren Plan mit längerem Anlauf. „Es ist sechs Jahre her, dass ich zum ersten Mal mit Alexander Mantlik sprach“, erinnert sich Hollósy im Gespräch mit der F.A.Z. an den Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit. „Er wollte mir einen Dreijahresvertrag geben“, so der Ungar – was untypisch ist für eine Szene, in der meist ein- bis maximal zweijährige Laufzeiten vereinbart werden. Doch Mantlik plante, Längerfristiges aufzubauen. Und Hollósy nahm die Herausforderung an bei einem Klub, der zwar zum festen Inventar der Liga gehörte, sich aber in den acht Spielzeiten zuvor kein einziges Mal für die Play-offs qualifizieren konnte.

Der Aufbau des Teams erfolgte Schritt für Schritt, die Platzierungen wurden besser, mit Rang drei 2025 als vorläufigem Höhepunkt. „Erfolg ist eine Konsequenz und kein Ziel“, philosophiert Hollósy – die Konsequenz aus gelungenem Teambuilding vor allem. Zur aktuellen Mannschaft gehören Spielerinnen aus Tschechien, Finnland, Belgien, Taiwan, den USA und Deutschland. Doch so heterogen die Herkunft der Einzelnen, so homogen das Auftreten der Gruppe. Sie pflege eine „gesunde Atmosphäre“, betont der Coach, der sich selbst eher „als Guide“ wahrnimmt.
Als Leitwölfin fungiert die gelassene Kapitänin Roosa Laakonen. Die 31 Jahre alte Finnin sei die „Team-Mum“, sagt Hollósy über die Mittelblockerin, „zu ihr kann jede immer kommen“. Daneben agiert die emotionale Belgierin Lara Nagels als „aggressive Leader“, die als Zuspielerin zudem die Spielregie in Händen hält. Doch Hollósy betont, dass alle zwölf Spielerinnen ihren Anteil am Erfolg hätten. Nicht zu vergessen die rund 2000 Zuschauer in der stets voll besetzten „Wolfsgrube“, die dank ihrer lautstarken Unterstützung für einen nicht zu unterschätzenden Heimvorteil sorgen. Das letzte Heimspiel, das verloren ging, datiert vom 18. Oktober 2025 – mit 2:3 beim Saisonauftakt gegen Dresden.
Der aus Budapest stammende Hollósy genießt das Leben in der 35.000 Einwohner zählenden Kleinstadt, freut sich, wenn er auf der Straße oder im Restaurant erkannt und angesprochen wird. Der Gesprächsbedarf ist derzeit hoch: In der Best-of-Five-Finalserie könnte nach dem zweiten Spiel am Samstag in Dresden schon die dritte Partie am kommenden Mittwoch den Ausschlag geben. In Suhl, für Suhl.
