
Kurz vor Beginn der Hauptsaison im Sommer sehen sich Reisende in und nach Italien mit erheblichen Behinderungen konfrontiert. Am Donnerstagabend begann im ganzen Land ein Generalstreik linksorientierter Basisgewerkschaften. Der Ausstand richtet sich nach Angaben der Gewerkschaften gegen „sinkende Löhne, tödliche Baustellen und den Abbau von Sozialleistungen“ sowie gegen „die Umleitung von Milliarden öffentlicher Gelder für Aufrüstung und die Beihilfe zum Völkermord in Gaza“.
Zum Streik waren Beschäftigte aller öffentlichen Einrichtungen und privater Unternehmen aufgerufen. Der Bund der Basisgewerkschaften (CUB), dem nach eigenen Angaben gut eine halbe Million Arbeiter und Angestellte angehören, verwies in seiner Begründung für den Streik vor allem darauf, dass die steigenden Preise die Kaufkraft der Beschäftigten fortgesetzt schwächten. Im Vergleich zu 2021 seien die Reallöhne um 7,5 Prozent gesunken, heißt es in einer Erklärung des CUB.
Schon in der Nacht zum Freitag kam es zu erheblichen Behinderungen im Verkehr, später auch in Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie in der Verwaltung. Im Flugverkehr galt der Streikaufruf für Freitag von 0.00 bis 23.59 Uhr, bei der Bahn und auf den Autobahnen von Donnerstagabend ab 21 Uhr beziehungsweise 22 Uhr für jeweils 24 Stunden. Auch der Schiffs- und Fährverkehr wurde beeinträchtigt. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestversorgung blieb gewährleistet.
Auswirkungen sind über Italien hinaus spürbar
Ebenfalls bereits am Freitag machten sich die Auswirkungen der kompletten Sperrung der Straßenverbindungen zwischen Österreich und Italien über den Brennerpass bemerkbar. Die Totalsperre der Autobahn 13 sowie der Landstraße über den Brenner sind die Folgen einer Demonstration, die der Bürgermeister der österreichischen Gemeinde Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, initiiert hatte.
Mit der Straßenblockade protestieren die rund 15.000 Bewohner des nördlich vom Brenner gelegenen Wipptals gegen den Lärm, den Feinstaub und die stetig zunehmenden Belastungen des Alltags durch den Straßenverkehr auf der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung über die Alpen. Am Samstag sind die Straßenverbindungen von Italien nach Österreich ab Sterzing (italienisch: Vipiteno) für Lastwagen von 7.00 Uhr an gesperrt, Autos und Motorräder werden ab 10.30 Uhr nicht mehr in Richtung Norden durchgelassen. Von Österreich in Richtung Süden nach Italien gilt die Sperre für Lastwagen von 9.00 Uhr an, für den übrigen Verkehr von 11.00 Uhr an. Die Sperre soll jeweils um 19.00 Uhr aufgehoben werden, von 20.00 Uhr an soll der Verkehr wieder ungehindert rollen.
Auf beiden Seiten der Grenze wird die Polizei den Verkehr weit vor dem gesperrten Streckenabschnitt der Autobahn 13 zwischen dem Grenzübergang am Brennerpass und der Mautstelle Schönberg in Österreich anhalten. Auf den weiträumigen Ausweichrouten erwartet die Polizei von Freitag bis Sonntag ein verstärktes Verkehrsaufkommen. Die Behörden riefen dazu auf, unnötige Fahrten zu vermeiden. Die freiwilligen Feuerwehren, der Zivilschutz und die Rettungsorganisationen stehen auf beiden Seiten der Grenze in erhöhter Bereitschaft, um bei möglichen Verkehrsproblemen oder Notfällen rasch reagieren zu können.
Über die Straßen des Brennerpasses rollen jährlich rund 13,6 Millionen Fahrzeuge, darunter 2,4 Millionen Lastwagen. An besonders verkehrsreichen Tagen erreicht das Verkehrsaufkommen bis zum Doppelten des täglichen Durchschnitts von 38.000 bis 46.000 Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr wurden auf der Brennerroute fast dreimal so viele Lastwagen gezählt wie auf allen Schweizer Transitrouten über die Alpen zusammen.
