Es gibt diese berühmte Passage im Archaïschen Torso Apollos, einem Gedicht von Rainer Maria Rilke.
»… denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht.
Du musst dein Leben ändern.«
Man könnte meinen, Rilke beschreibe den Zustand der
politischen Mitte, jenen Teil der Gesellschaft also, der weder ganz rechts noch
ganz links wählt und mit der Tatsache umgehen muss, dass knapp 44 Prozent der
Menschen in Sachsen-Anhalt für die AfD gestimmt haben. Man müsse das
Wahlergebnis mit »Demut« annehmen, sagte Thorsten Frei, Fraktionschef der Union
im Bundestag, am Samstagabend in der Talkshow von Maybrit Illner. Und der baden-württembergische
Ministerpräsident Cem Özdemir forderte eine »schonungslose Selbstkritik« aller
demokratischen Parteien. Nun könne »nichts mehr bleiben, wie es ist«.
