Im Automobilkonzern Volkswagen sollen einem Medienbericht zufolge weltweit bis zu 100.000 der aktuell rund 657.000 Arbeitsplätze wegfallen. Wie genau sich die Zahl zusammensetze, sei noch unklar, berichtete das Manager Magazin unter Berufung auf Insider. Einer von ihnen habe dem Magazin gesagt, dass in dem zentralen Papier bewusst keine eindeutige Zahl stehe.
Die nun bekannt gewordenen Abbauziele entsprechen einer Verdopplung der bisherigen Zielmarke. Mittelfristig könnten dem Bericht zufolge vier Werke in Deutschland geschlossen werden. Dabei gehe es um die VW-Werke in Hannover,
Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm. Mit dem
Auslauf der dort aktuell gefertigten Modelle würde die
Produktion dem Plan zufolge gestoppt werden, hieß es.
Neben einem Stellenabbau plant VW Anpassungen in der Unternehmensstruktur.
Laut Bericht sollen die Kernmarke Volkswagen und die Komponententochter
aus dem Konzernverbund herausgelöst und in eigene Gesellschaften
eingebracht werden. So könnten einzelne abgespaltene Marken einfacher am
Kapitalmarkt platziert werden.
Plan des Konzernvorstands wird Anfang Juli im Aufsichtsrat beraten
Ein VW-Sprecher sagte, dass sein Unternehmen interne, vertrauliche
Unterlagen nicht kommentiere. Die zugrunde liegenden
Sachverhalte würden in den zuständigen Gremien besprochen und
verabschiedet. Der Konzernvorstand habe in den vergangenen Monaten einen
Plan für die Neuaufstellung des Unternehmens ausgearbeitet. Der
Aufsichtsrat soll am 9. Juli über das Thema beraten. »Richtig ist, dass
die gesamte Automobilindustrie und die
Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen«, sagte
er.
Der Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter kritisieren die möglichen Standortschließungen als »unverantwortliche Drohungen«. »Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern«, schrieben der Konzernbetriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall in einer gemeinsamen Stellungnahme. »Statt blinden Aktionismus zu zeigen, sollte der Vorstand endlich seinen Job machen und sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren: wettbewerbsfähige Produkte, Technologien, Konzernstrukturen und -synergien und damit auch sichere Beschäftigung«, heißt es in der Stellungnahme weiter.
Kritik von CDU und SPD
Auch die Politik zeigt sich besorgt über die Pläne des VW-Konzerns. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bezeichnete es als »fatal für unser ganzes Land«, wenn sich VW aufgäbe. Die Pläne dürften sich so nicht realisieren. Der Chef der SPD Hannover, der Bundestagsabgeordnete Adis Ahmetovic, kritisierte den Konzernvorstand. »Das Volkswagen-Management scheint sich inzwischen vor allem mit
Ankündigungen zum Stellenabbau profilieren zu wollen«, sagte er. Er werde um jeden einzelnen Arbeitsplatz streiten und für jedes Werk kämpfen. »Den Aufschwung, den wir brauchen, erreicht man nicht durch
Kahlschlag«, sagte Ahmetovic.
Einen Handlungsbedarf im Volkswagen-Konzern hat VW-Finanzchef Arno Antlitz bei der Vorstellung der Konzernergebnisse des ersten Quartals 2026 ausgemacht. »Wir müssen unser Geschäftsmodell grundlegend verändern und strukturelle, nachhaltige Verbesserungen erzielen«, sagte Antlitz damals. Zu Jahresbeginn war der Gewinn des Konzerns um ein Viertel eingebrochen.
