
Für den Auftritt von Opel-Chef Florian Huettl sind nur wenige Minuten eingeplant. Seine Botschaft in der Videoschalte, in der der Opel-Mutterkonzern Stellantis am Donnerstag seine Strategie für die nächsten fünf Jahre vorstellte: Der traditionsreiche Autobauer aus Rüsselsheim sei identitätsstiftend für die „nördlichen Länder“ Europas.
Das passt zur neuen Sprachregelung von Stellantis, nach der Opel zu den „regionalen Marken“ zählt. Zwar ist nicht neu, dass der deutsche Heimatmarkt für die Marke mit dem Blitz der wichtigste ist. Doch im Vergleich etwa zu Fiat wird Opel mit der neuen Strategie herabgestuft. Der italienischen Marke misst Stellantis „globale“ Bedeutung bei – ebenso wie Peugeot aus Frankreich und den US-Marken Jeep und Ram. In diese vier Marken sollen 70 Prozent der Investitionen fließen, die Stellantis bis 2030 plant. Die „regionalen Marken“ Opel, Chrysler, Dodge, Alfa Romeo und Citroën müssen sich die restlichen 30 Prozent teilen.
Obendrein sollen in Europa Produktionskapazitäten für 800.000 Autos abgebaut werden. Werksschließungen sind nach Angaben des Stellantis-Vorstandsvorsitzenden Antonio Filosa aber nicht geplant. Die Reduzierung gehe zu einem erheblichen Teil auf die für Ende 2028 geplante Einstellung der Autoproduktion in Poissy bei Paris zurück, wo danach nur noch Komponenten gefertigt, recycelt und Sonderfahrzeuge gebaut werden sollen. Zudem will Stellantis Werke in Spanien und im französischen Rennes mit chinesischen Autobauern teilen.
Neue „Ente“ stiehlt Opel-Plänen die Show
Citroën-Chef Xavier Chardon konnte bei der Strategie-Konferenz, die in Auburn Hills bei Detroit stattfand, immerhin medienwirksam verkünden, dass die „Ente“ zurückkehrt. Auf dem Pariser Autosalon soll im Herbst ein neues E-Auto vorgestellt werden, dessen Form sich an dem legendären französischen Kleinwagen orientiert.
Opel hatte schon vor zwei Wochen die Entwicklung eines neuen SUV angekündigt – dessen E-Antrieb vom chinesischen Partner Leapmotor kommen soll. Produziert werden soll das neue Modell von 2028 an im spanischen Saragossa.
Die Direktorin des Center Automotive Research in Duisburg, Beatrix Keim, sieht in der Zusammenarbeit mit Leapmotor durchaus Vorteile. Opel bekomme damit Zugriff „auf die Technologie-Entwicklung in China“, sagte Keim der F.A.Z.
Betriebsrat ist skeptisch
Im Opel-Betriebsrat ist man dagegen skeptisch, wie ein Schreiben zeigt, das in der Belegschaft kursiert. „Wir sehen in der Kooperation mit Leapmotors Chancen, aber eben durchaus auch Risiken“, heißt es darin. Die Zusammenarbeit dürfe nicht „zu einer Umverteilung von Workload zulasten von Opel“ führen. Erst im April hatte Stellantis angekündigt, im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum 650 der zuletzt 1650 Ingenieursstellen abzubauen. Insgesamt waren am Opel-Stammsitz Ende 2025 noch rund 7000 Mitarbeiter beschäftigt, halb so viele wie bei der Übernahme des deutschen Autobauers durch den Stellantis-Vorgängerkonzern PSA im Jahr 2017.
Außer mit Leapmotor kooperiert Stellantis mit einem weiteren chinesischen Autobauer, Dongfeng. Nach langjähriger Kooperation in China will Stellantis mit Dongfeng in Europa ein Joint Venture gründen, das „gemeinsame Einkaufs- und Engineering-Aktivitäten bündeln“ soll.
Auto-Expertin Keim glaubt nicht, dass durch solche Partnerschaften hiesige Ingenieure überflüssig werden: „Der europäische Markt ist anders als der chinesische und auch als der amerikanische“, sagt sie. Chinesische Ingenieure wüssten in der Regel nicht, „was der deutsche Kunde will“. Allerdings könnte der Einsatz von Künstlicher Intelligenz dazu führen, dass bei Opel wie auch bei anderen Autobauern in einigen Jahren noch mehr Ingenieursstellen wegfielen, meint Keim.
Verschärft wird die Unruhe in der Belegschaft dadurch, dass Stellantis in Europa auch komplette Fahrzeuge von Leapmotor verkauft und den Vertrieb der Dongfeng-Marke Voyah plant. Das Leapmotor-SUV B10 soll demnächst auch in einem Stellantis-Werk gebaut werden, und zwar in Saragossa, wo von 2028 an das neue Opel-SUV mit Leapmotor-Antrieb vom Band laufen soll. Dongfeng-Fahrzeuge könnten künftig in Rennes produziert werden.
In der internen Mitteilung des Betriebsrats zur Kooperation mit Leapmotor wird vor diesem Hintergrund vor „Kannibalisierungseffekten“ gewarnt. Zwar ist Leapmotor bislang keine ernsthafte Konkurrenz für Opel – 34.000 Autos des chinesischen Herstellers hat Stellantis 2025 in ganz Europa verkauft. Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall kamen im vergangenen Jahr laut Zahlen des europäischen Herstellerverbandes ACEA auf 400.000 Neuzulassungen. Stellantis traut Leapmotor allerdings ein rasantes Wachstum zu: In diesem Jahr will der Opel-Mutterkonzern doppelt so viele Leapmotor-Autos verkaufen wie 2025.
