
Es ist nicht nur interessant, welche Debatten in einem Ort geführt werden, sondern auch, welche nicht. In Frankfurt etwa war vor einem Jahrzehnt das Klagen darüber groß, dass die Bevölkerungszahl steigt und steigt. Inzwischen haben sich die Bürger daran gewöhnt. Die jüngste Statistik, wonach im Stadtgebiet nun 781.000 Frauen und Männer wohnen, regt niemanden mehr auf.
Dabei ist das die höchste Zahl, die jemals für Frankfurt veröffentlicht wurde. Wie dynamisch die Entwicklung ist, sieht man daran, dass im Jahr 2010, das nun nicht lange zurückliegt, erst 656.000 Einwohner gezählt worden waren. Der zwischenzeitliche Rückgang in der Pandemie war wenig ausgeprägt und nur kurzzeitig. Nicht nur die Berechnungen der städtischen Statistiker sprechen dafür, dass Frankfurt in nicht allzu ferner Zukunft die Marke von 800.000 Einwohnern überschreitet.
Besser wachsen als schrumpfen
Wie gut, dass über die regelmäßigen Zuwachszahlen Frankfurts nicht mehr gejammert wird. Denn die Alternative zum Wachstum ist ja nicht eine konstante Entwicklung, so etwas gibt es auf Dauer nicht, sondern das Schrumpfen. Wie verheerend aber der Rückgang von Einwohnerzahlen ist, lässt sich in davon gebeutelten Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet und in vielen ostdeutschen Orten besichtigen. Dort hätte man gerne die Probleme, die Frankfurt dank seines Wachstums lösen muss.
Leicht ist allerdings auch das Management der Zuwachsraten nicht, wie sich nahezu täglich im Römer beobachten lässt. Wohnungen zu schaffen, ist in einem dicht besiedelten Raum kompliziert, der Bau neuer Schulen will kein Ende nehmen, der Bau neuer Verkehrswege auch nicht.
Die neueste Bevölkerungsstatistik darf damit gerne auch in den offenbar höllisch komplizierten Verhandlungen über ein künftiges Bündnis im Rathaus zur Kenntnis genommen werden. Es kommt jetzt nicht darauf an, Frankfurt neu zu erfinden, die Einwohner umzuerziehen oder gar die Welt zu retten. Sondern darauf, die anstehenden kommunalen Aufgaben der wachsenden Stadt, an denen kein Mangel ist, souverän zu erledigen. Woran es zuletzt gefehlt hat, war das schlüssige und einvernehmliche Handeln von Politik und Verwaltung, es fehlte an der Kunst des guten Regierens, etwa daran, dass sich die Stadtregierung, der Magistrat, als Team versteht und nicht als nahezu zufällige Ansammlung von Einzelkämpfern.
Die Bevölkerungszahlen nehmen auf kommunalpolitische Verwerfungen und Handlungsverweigerungen keine Rücksicht. Frankfurt ist einer der Orte in der Bundesrepublik, der aus verschiedenen Gründen beachtliche Anziehungskraft hat – auch, aber keineswegs nur für Zuwanderer. Das Wachstum schafft Herausforderungen, aber es schafft auch Wohlstand, wie die ebenfalls steigende Zahl der Erwerbstätigen zeigt. 781.000 Einwohner – wer hätte das vor zwei Jahrzehnten gedacht? Steigende Bevölkerungszahlen: Frankfurt ist auf einem guten Kurs.
