
Was die Beschäftigtenzahl betrifft, war der deutsche Maschinenbau in den vergangenen Jahren immer ein Hort relativer Stabilität. Die Branche, die Wert darauf legt, größter industrieller Arbeitgeber des Landes zu sein, hat zwar auch Unternehmen in ihren Reihen, die schlittern. Hier und da kam es zu Stellenstreichungen oder Kurzarbeit. Aber die Zahl von einer Million Beschäftigten wurde entweder knapp gehalten oder allenfalls geringfügig unterschritten. Das vermittelte Stabilität.
Zwar hätten sich die Aussichten im Maschinen- und Anlagenbau zuletzt leicht aufgehellt, hieß es vonseiten des VDMA, aber viele Unternehmen befänden sich weiter in einer Unterauslastung. Und dies schon seit geraumer Zeit. Das kommt auch auf dem Arbeitsmarkt an: Im ersten Halbjahr ist die Beschäftigung im Maschinenbau in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent gesunken, es wurden etwa 21.500 Stellen abgebaut.
Viele ältere Mitarbeiter gehen in Rente
„Wir spüren die wirtschaftliche Schwäche des Standorts jetzt auch deutlich am Arbeitsmarkt unserer Branche“, sagt Fabian Seus, Arbeitsmarktexperte des Verbandes. Welchen Anteil Entlassungen und Renteneintritte am Stellenabbau jeweils haben, lasse sich allerdings nicht sagen. Gut ein Viertel der Beschäftigten im Maschinenbau ist 55 Jahre oder älter, und in der Branche gibt es viele Renteneintritte. „Wenn diese Stellen nicht nachbesetzt werden können, verlieren die Betriebe wertvolles Know-how“, sagte Seus. So oder so fordert der VDMA Reformen zur Stärkung des Standorts Deutschland.
Langfristig könne der Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung zwar wieder zunehmen, aber derzeit hielten sich die Unternehmen mit Neueinstellungen zurück. „Unternehmen stellen wieder ein, wenn sie investieren. Aber für Investitionen sind die Kosten am Standort einfach zu hoch“, sagt Seus.
In dieser Lage bleibt die Ausbildung ein wichtiger Anker für die Unternehmen, wie VDMA-Umfragen zeigen. Die Beschäftigungserwartungen für Auszubildende sind vergleichsweise stabil, da Fachkräfte-Engpässe absehbar bleiben.
„Viele Unternehmen haben kein Verständnis mehr für das Zögern der Bundesregierung, wenn doch alle wissen, was zu tun ist“, sagte Seus. Bis zum Ende des Jahres müssten zentrale Reformen umgesetzt werden, auch gegen etwaige Widerstände. Die aktuellen Diskussionen um die Rentenreform würden grundsätzliche Fragen zur Reformfähigkeit des Standorts aufwerfen. Das schwäche das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik und belaste Investitionsentscheidungen zusätzlich. Dem müsse die Bundesregierung endlich etwas entgegensetzen.
