
In der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang ist die systematische Unterdrückung der Minderheit der Uiguren durch China gut dokumentiert, Peking weist die Vorwürfe jedoch vehement zurück. Die deutschen Konzerne Volkswagen und BASF haben sich in den vergangenen Jahren nach langer Kritik aus der Region zurückgezogen. Viele internationale Modeunternehmen verwenden keine Baumwolle aus Xinjiang mehr. Sie befürchten, dass in der Produktion Zwangsarbeit steckt. Die USA haben vor fünf Jahren ein Gesetz gegen uigurische Zwangsarbeit verabschiedet.
„Schockierend und moralisch verwerflich“
Durch die Expansion nach Xinjiang baue Starbucks nicht nur das Filialnetz weiter aus, sondern könne „aufrichtige, dauerhafte Beziehungen zu unseren dortigen Kunden aufbauen“, zitiert Xinhua Molly Liu, Geschäftsführer von Starbucks China. Die Behörden hoffen derweil auf eine Ausweitung des Konsums in der Stadt.
In den USA stieß der Schritt auf scharfe Kritik. Der Sonderausschuss für China des US-Repräsentantenhauses veröffentlichte eine Pressemitteilung unter der Überschrift: „Starbucks bietet Genozid in Venti-Größe an“. „Venti“ ist eine Bechergröße bei Starbucks. „Dies ist eine schockierende und moralisch verwerfliche Entscheidung eines Unternehmens, das sich auf seine soziale Verantwortung beruft“, wird der republikanische Abgeordnete John Moolenaar, Vorsitzender des Sonderausschusses für China, in der Mitteilung zitiert. Es gebe keinen rechtfertigbaren Grund für ein amerikanisches Unternehmen in einer Region Geschäfte zu tätigen, „in der die Kommunistische Partei Chinas mehr als eine Million Uiguren interniert hat und ihnen ihren Glauben, ihre Sprache und ihre Kultur raubt“, sagte Moolenaar weiter. Er forderte den Konzern auf, die Filialen umgehend wieder zu schließen.
Das Starbucks-Geschäft in China gehört inzwischen jedoch mehrheitlich einem chinesischen Unternehmen. Der Investor Boyu Capital, gegründet vom Enkel des früheren Staats- und Parteichefs Jiang Zemin, hat drei Fünftel eines Gemeinschaftsunternehmens übernommen, das die rund 8300 Starbucks-Filialen in China betreibt. Der US-Konzern hält den Rest der Anteile und lizensiert die Marke an das Gemeinschaftsunternehmen.
Der Deal wurde Ende vergangenen Jahres bekanntgegeben und im April final besiegelt. Starbucks-Chef Brian Niccol sagte seinerzeit, dass man durch Kooperation „mehr Kunden bedienen“ und „in mehr Städte expandieren“ könne.
