Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat angesichts der aktuellen Krisen zu mehr Besonnenheit und Menschlichkeit in Europa aufgerufen. »Vernunft und Herz, das braucht Europa auch heute wieder, in einer Zeit der Kriege und Krisen, in der unsere Demokratien angefochten sind wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr«, sagte Steinmeier zum Auftakt seines dreitägigen Frankreich-Besuchs in Paris.
Vernunft und Herz hätten die deutsch-französische Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt erst möglich gemacht, sagte er im Rückgriff auf ein Zitat des französischen Schriftstellers Victor Hugo. In Europa sei Deutschland das Herz und Frankreich der Kopf, habe Hugo demnach geschrieben. Ob sich die heutigen Franzosen und Deutschen in dieser anatomischen Zuschreibung wiederfänden, sei dahingestellt, sagte Steinmeier.
»Menschenwürde, Frieden, Freiheit, Demokratie«
Auf die aktuellen Krisen könne es nur eine Antwort geben: »Europa muss jetzt erst recht geeint und selbstbewusst für die Werte eintreten, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind: die Achtung der Menschenwürde, Frieden, Freiheit, Demokratie«, sagte Steinmeier.
Gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron wolle er am Donnerstag beim Besuch des Pariser Pantheons den von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Historiker und Widerstandskämpfer Marc Bloch ehren. Der Geist von Bloch, der für ein besseres Verstehen und Verständnis füreinander eingetreten war, solle auch in Zukunft die Triebfeder der deutsch-französischen Freundschaft sein, sagte Steinmeier.
Er stellte zudem die Unterzeichnung eines neuen Abkommens für das Deutsch-Französische Jugendwerk in Aussicht – »ein Versprechen für eine neue Generation junger Deutscher und Franzosen, die einander verstehen, schätzen und lieben lernen will«.
Abschiedsbesuch bei »einem guten Freund«
In Begleitung von Macron plant Steinmeier, am Freitag weiter nach Bordeaux zu reisen, wo Raumfahrt und Verteidigung im Mittelpunkt des Besuchs stehen.
Der Staatsbesuch am Donnerstag und Freitag sei »auch so etwas wie ein Abschiedsbesuch bei einem wirklich überzeugten Europäer und einem guten Freund«, hatte Steinmeier vor seinem Abflug an die Adresse seines französischen Amtskollegen, Emmanuel Macron, gesagt. Beide Präsidenten hatten 2017 ihr Amt angetreten, beide scheiden im kommenden Frühjahr aus dem Amt aus.
