
Eine Milliarde Abonnenten. Diese Marke hat Daniel Ek vor gut zwei Jahren als nächstes großes Ziel für Spotify ausgegeben. Die gesamte Branche dürfte diesen Punkt schon bald erreicht haben, wie Daten von Midia Research unterstreichen. Das britische Analysehaus zählte zu Ende vergangenen Jahres auf der Welt 921,6 Millionen Musikstreaming-Abos – 10,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (837,3 Millionen) und gut doppelt so viele wie noch Ende 2020 (472,2 Millionen).
Spotify liegt klar vor Apple, Amazon, Youtube und Tencent
Spotify ist der einzige der großen westlichen Anbieter, der als börsennotierter Dienst regelmäßig Nutzer- und Abo-Zahlen vorlegt. Fernab der Schweden wird es komplizierter: Apple und Amazon haben zuletzt im Jahr 2019 respektive 2020 gesonderte Zahlen zu ihren Musikangeboten preisgegeben. Beide bieten Musikstreaming auch gebündelt mit anderen Diensten an.
Youtube wiederum vermeldete im März 125 Millionen Abonnenten (Probeabos miteingerechnet). Hierzu zählt die Google-Tochtergesellschaft jedoch auch Abonnenten von Youtube Premium. Mit einem Premium-Abo können Nutzer neben dem Zugriff auf den Musikdienst Videos auf Youtube ohne Werbung ansehen. In die Auswertung flossen Premium-Abos Midia zufolge nur dann ein, wenn auch der Musikdienst genutzt wurde.
Ein Angebotsportfolio, mit dem Youtube den Midia-Daten zufolge das zweite Jahr in Folge prozentual gesehen das stärkste Wachstum vorweisen konnte. Amazon, Apple und der Platzhirsch in China – Tencent Music – büßten allesamt Marktanteile ein.
Rund zwei Drittel der Umsätze mit Musik schütten die Dienste aus
Während Spotify in Europa, Nord- und Südamerika führend sei, lege das Wachstum von Youtube gerade in den noch kaum entwickelten Märkten zu, heißt es. Nicht zuletzt im Nahen Osten und Nordafrika stehe Youtube stark da, heißt es in dem Blogpost.
Ein reiner Musikstreamingdienst ist bekanntlich auch Spotify schon lange nicht mehr. Podcasts und Hörbücher finden sich ebenso auf der Plattform wie ein immer weiter wachsendes Video-Angebot. Kürzlich integrierte der Dienst zum Beispiel auch Workout-Videos. Musik bildet aber nach wie vor das Kerngeschäft.
Streaming ist so seit Jahren der wichtigste Wachstumstreiber der Musikindustrie. Rund zwei Drittel ihres Umsatzes mit Musik zahlen alle Dienste an die Rechteinhaber der auf den Plattformen vertretenen Songs aus.
Das weitere Abo-Wachstum bleibt so ein Kernfokus der Musikbranche wie der Dienste. Zwar schwächelte der Zuwachs in großen und hochpreisigen westlichen Märkten zuletzt und fiel auch in Deutschland kleiner aus. Doch im Gegensatz zu schon stärker gesättigten Märkten wie den USA oder Skandinavien ist hierzulande noch viel Luft nach oben. Derzeit hätten nur rund 40 Prozent der deutschen Haushalte ein Musikstreaming-Abo, sagte Christoph Behm, Deutschland-Chef von Sony Music, am Dienstag auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes Musikindustrie in Berlin.
Mit neuen Funktionen und Tools sollen die Abos stetig attraktiver gemacht und nicht zuletzt auch Preiserhöhungen gerechtfertigt werden. Spotify führte etwa kürzlich in Partnerschaft mit dem größten Live-Entertainment-Konzern der Welt, Live Nation, in den USA die Funktion „Reserved“ ein. Ausgewählte, besonders aktive Fans teilnehmender Künstler erhalten über die Funktion die Möglichkeit, zwei Konzerttickets zu kaufen, bevor der generelle Verkauf beginnt.
Mit lizenzierten KI-Tools Songs der Lieblingskünstler remixen?
Ein in der Branche rege diskutiertes Thema sind KI-Remix-Tools, über die Nutzer mit Songs ihrer Lieblingskünstler herumexperimentieren können. Angedacht sind nutzergenerierte Cover-Versionen mit Stimmen oder Songs bekannter Künstler, für deren Streams die jeweiligen Interpreten und Songwriter sowie ihre Partner aus der Musikindustrie vergütet werden sollen.
Voraussetzung ist freilich die Zustimmung der Künstler für die Verwendung ihrer Songs und Stimmen für diese Angebote. Einen ersten Lizenzdeal hat Spotify kürzlich mit dem größten Musikunternehmen der Welt, Universal Music, bekanntgegeben. Der Konzern führt derzeit Gespräche mit seinen Künstlern über die geplanten Angebote. Auch andere Anbieter wie Udio oder Klay arbeiten an solchen Tools. Ein Startdatum ist bislang von keinem bekannt.
