
Musikstreaming-Marktführer Spotify hat angekündigt, KI-generierte Künstler künftig mit einem entsprechenden Hinweis zu versehen. Wie das schwedische Unternehmen am Dienstag mitteilte, sollen entsprechende Künstler-Profile in der App ab Mitte September sichtbar als „AI Persona“ gekennzeichnet werden. Der Hinweis soll zudem in der Suche und in Playlisten auftauchen.
„Hörer haben uns unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie es nicht mögen, wenn ihnen ein Profil präsentiert wird, das menschlich wirkt, und sie dann feststellen, dass die Person KI-generiert ist“, heißt es in einem Blogpost des Unternehmens. Musik der betreffenden Künstler werde zudem nicht mehr in redaktionellen oder algorithmischen Empfehlungen auftauchen, es sei denn, Nutzer folgten explizit KI-Künstlern.
Die Personen hinter den KI-generierten Künstlern können den Einsatz von KI selbst angeben. Der Dienst kündigte jedoch auch an, Profile, die eine nicht näher definierte Zahl an Streams erreichen, zu überprüfen. Der „überwiegende Teil“ der Profile, die Nutzern angezeigt werden, solle damit abgedeckt werden. Gegen eine Markierung kann in der Folge Einspruch eingelegt werden. Zudem sollen Spotify-Nutzer perspektivisch die Möglichkeit erhalten, unmarkierte mutmaßliche KI-Künstler zu melden.
75.000 neue KI-Songs am Tag
Der Umgang mit KI-Songs auf den Streamingdiensten treibt die Musikbranche seit geraumer Zeit um – nicht zuletzt, weil rechtliche Frage rund um das Training der Musik-KI-Modelle mit menschengemachter Musik aufkommen. Der französische Dienst Deezer veröffentlicht in regelmäßigen Abständen die Zahl der komplett KI-generierten Songs, die täglich auf seiner Plattform hochgeladen werden. Stand Mitte Juli sind es fast 90.000. Das entspricht dem Dienst zufolge mehr als 50 Prozent der gesamten Uploads.
Andere Dienste geben keine solchen Daten preis, doch da Songs in der Regel auf allen gängigen Plattformen hochgeladen werden, gelten die Deezer-Daten als guter Maßstab. Deezer war auch der erste Dienst, der mutmaßlich komplett KI-generierte Songs markierte und aus den algorithmischen Empfehlungen entfernte. Der Dienst Tidal kündigte im Juni an, dass mutmaßlich komplett KI-generierte Werke auf seiner Plattform keine Tantiemen mehr einspielen können.
Wirbel um KI-generierte Band The Velvet Sundown
Das ist auf allen anderen Plattformen grundsätzlich weiter möglich. Jenseits von komplett KI-generierten Songs gibt es allerdings viele Mischformen, also Werke, die in Teilen oder mithilfe von KI erstellt wurden. Die Bandbreite reicht von der Erstellung einzelner Instrumentspuren oder des Gesangs bis zur Nutzung in einzelnen Bereichen der Produktion.
So weist Spotify in dem Blogpost auch darauf hin, dass sich die neue Markierung auf „die öffentliche Identität“ eines Künstlers bezieht. Es gehe – anders als bei Deezer – nicht darum, wie die Musik entstanden sei. Hörer müssten sich allerdings darauf verlassen können, „dass der Künstler hinter der Musik tatsächlich derjenige ist, für den er sich ausgibt.“
Das Label dürfte so wahrscheinlich prominente Fälle wie die „Band“ The Velvet Sundown, Breaking Rust oder Xania Monet erfassen. Spotify selbst nutzt in der Ankündigung des neuen Labels die KI-„Künstlerin“ China Styles, hinter der laut Selbstauskunft auf der Profilseite die Amerikanerin Margaret Bynum steht.
Spotify hatte Ende April begonnen, echte Künstler als „verifiziert“ zu markieren. Basis hierfür sind Kriterien wie Konzertdaten oder Aktivitäten abseits des Dienstes. Zudem wurde die Möglichkeit eingeführt, die Nutzung von KI in eigens eingeführten „AI Credits“ offenzulegen. Apple fordert seit einiger Zeit Labels und Vertriebe auf, den Einsatz von KI beim Upload anzuzeigen.
