Die jüngsten Angriffe auf Accounts von Bundespolitikern im Messengerdienst Signal waren offenbar auch bei Mitgliedern der Bundesregierung erfolgreich. Das berichtet der Spiegel. Demnach sollen die Konten der Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) kompromittiert worden sein. Sprecher beider Ministerinnen wollten die Angriffe dem Medium gegenüber nicht bestätigen.
Am Mittwoch hatte der Spiegel berichtet, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) Opfer der Angriffe geworden sei. Klöckner bekleidet das zweithöchste Amt der Bundesrepublik, außerdem ist sie Mitglied des CDU-Präsidiums. Dem Bericht nach kommuniziert das Gremium, zu dem auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gehört, über einen Signal-Gruppenchat. Mitarbeiter des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) sollen dem Bericht zufolge den Kanzler persönlich aufgesucht haben, sein Signal-Konto soll aber keine Auffälligkeiten gezeigt haben.
Auch Abgeordnete von SPD und Linken betroffen
Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, bestätigte nach der SPD-Fraktion auch die Linke im Bundestag, dass »einige wenige« ihrer Abgeordneten betroffen seien. Grüne und AfD haben nach eigenen Angaben bisher keine Kenntnis von solchen Fällen. Die Unionsfraktion wollte sich nicht dazu äußern. Laut dem Spiegel sollen neben hochrangigen Politikern, Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und bekannten Journalisten auch Militärs der Nato betroffen sein.
Deutsche und ausländische Sicherheitsdienste warnen seit Monaten vor
einer sogenannten Phishing-Angriffswelle, die auf die heimliche
Übernahme von Signal-Konten von
Politikern, Beamten, Diplomaten, Militärs und Journalisten abzielt. Dabei geht es nicht um die Ausnutzung einer Sicherheitslücke, sondern um Betrugsversuche, bei denen den Betroffenen vorgespiegelt wird, sie
würden vom Signal-Support kontaktiert. Ist das erfolgreich, bekommen Angreifer Zugriff auf ausgetauschte Nachrichten, Fotos und andere Dateien.
Generalbundesanwalt ermittelt – CDU-Politiker sieht Russland hinter Attacken
Nachdem das Bundesamt für Sicherheit in der
Informationstechnik (BSI) im Februar erstmals breit öffentlich über die Angriffe
informiert hat, übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen zu den Vorfällen. Es gehe um den Anfangsverdacht der Spionage, sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Freitag.
»Der jüngste Phishingversuch aus Russland gegen deutsche Politiker und Journalisten ist ein Weckruf für uns alle«, sagte Marc Henrichmann (CDU) am Freitag der AFP. Damit machte erstmals ein deutscher Politiker Russland für die Angriffswelle verantwortlich. Henrichmann ist der Vorsitzende des Parlamentarischen
Kontrollgremiums (PKGr), das für die Kontrolle der
Nachrichtendienste zuständig ist. Der stellvertretende PKGr-Vorsitzende Konstantin von Notz (Grüne) erwartete im Bundestag weitere Fälle: Es müsse davon ausgegangen
werden, »dass die Dunkelziffer an Betroffenen in den kommenden Tagen
weiter steigen wird«, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
