
In seiner Rede vor dem spanischen Parlament hat Papst Leo XIV. am Montag die europäische Aufrüstung und Migrationspolitik mit deutlichen Worten kritisiert. Es sei besorgniserregend, dass sich „auch in Europa die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt“.
Wahre Sicherheit entspringe jedoch „der Gerechtigkeit, dem geduldigen Dialog, der Achtung des Völkerrechts“, so Leo. Es bedürfe einer Politik, die in der Lage sei, das Leben der Völker über die Interessen zu stellen, die vom Krieg profitierten: „Waffen mögen vorübergehend für Ruhe sorgen, doch sie werden niemals einen echten und dauerhaften Frieden schaffen können“, mahnte das Kirchenoberhaupt in seiner ersten Rede vor einer Volksvertretung, die er auf eigenen Wunsch hielt; es war zugleich die erste Ansprache eines Papstes vor dem spanischen Parlament.
Ohne einzelne Regierungen oder die EU hervorzuheben, bezeichnete er die Migrationskrise als „eine vorrangig moralische und rechtliche Angelegenheit“ und keine rein demographische oder wirtschaftliche Frage. Die Menschen müssten im Mittelpunkt stehen, nicht nur die Steuerung der Migrantenströme, sagte Papst Leo. „Wo immer ein Mensch diskriminiert wird, wird der universale Grundsatz der gleichen Würde aller Menschen ernsthaft verletzt.“
Papst fordert würdige Aufnahmebedingungen
Der Papst verlangte „sichere und legale Wege, würdige Aufnahmebedingungen und echte Integrationsmöglichkeiten“. Kein Staat könne das allein bewältigen. Dafür sei eine koordinierte, solidarische und wirksame Politik unerlässlich, um den Migranten Schutz, Aufnahme und Integration zu gewährleisten. Gleichzeitig müsse man daran arbeiten, dass alle in ihren Ländern in Frieden und unter menschenunwürdigen Lebensbedingungen leben könnten.
In Madrid bekräftigte Leo auch seine Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen. Die spanische Linkskoalition will das Recht darauf in der Verfassung festschreiben. „Jedes menschliche Leben muss von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Lebensende, unter allen Umständen seiner Existenz, anerkannt und geschützt werden“, betonte der Papst.
Die moralische Größe einer Nation zeige sich vor allem beim Schutz derer, die sich in einer besonders fragilen Lage befänden. Das war auch eine Anspielung auf den von Leo abgelehnten assistierten Suizid, den in Spanien ein Gesetz garantiert. „Wo die Familie unterstützt wird, wird auch die geistige und soziale Stabilität der Nationen gestärkt“, ergänzte der Papst, den die Abgeordneten aller Fraktionen der beiden Häuser des Parlaments mit minutenlangen Ovationen und „Viva“-Rufen feierten.
„Während des Gesprächs, das fast eine Stunde dauerte – so heißt es in der Mitteilung – trug jede der anwesenden Personen, ausgehend von ihren eigenen schmerzlichen persönlichen Erfahrungen, dem Papst Vorschläge vor, wie die Reaktion der Kirche auf diese tragischen Fälle wirksamer sein kann.“
Ebenso weist das Presseamt darauf hin, dass „der Papst mit Zuneigung und Aufmerksamkeit zuhörte, ihnen seine Nähe und die der gesamten kirchlichen Gemeinschaft zusicherte und sich verpflichtete, dass die erhaltenen Vorschläge als Grundlage für zukünftige Bemühungen dienen und dass die Kirche wirklich ein sicherer und geistlich gesunder Ort sein kann, an dem Wunden Trost und Heilung finden.“
Opferverbände reagierten jedoch enttäuscht auf die Rede, da Leo den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche nicht erwähnte, über den das spanische Parlament einen vernichtenden Bericht vorgelegt hatte. Der Papst forderte die spanischen Bischöfe jedoch wenig später dazu auf, auf die „Plage“ des Missbrauchs in der Kirche mit „Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung“ zu reagieren. Für diese Fürsorge sei die gesamte Kirche verantwortlich, sagte er vor der Bischofskonferenz.
Am Nachmittag sprach der Papst dann in der apostolischen Nuntiatur eine Stunde lang mit sechs Missbrauchsopfern, wie das Presseamt des Heiligen Stuhls über seinen Telegram-Kanal bekannt gab. Sie hätten dem Papst Vorschläge gemacht, wie die Reaktion der Kirche „wirksamer“ sein könne. Leo habe „mit Zuneigung und Aufmerksamkeit zugehört“. Er habe demnach versichert, dass die Ideen als Grundlage für künftige Bemühungen dienen, damit die Kirche „ein sicherer und gesunder Ort“ werde, an dem diese „Wunden Trost und Heilung finden“.
