1. Weil (manche) Sonnencreme einfach wahnsinnig gut riecht.
2. Weil Fahrradfahren bei Hitze immer noch mehr Spaß macht als Fahrradfahren bei Regen und Kälte.
3. Weil man bei 35 Grad plötzlich existenzielle Gespräche über Jalousien führt.
4. Das Schwitzwasser an einer Flasche Sprudel.
5. Die nackten Füße auf den heißen Steinplatten, der Geruch von heißem Fett, Pommes, Mayo und Ketchup. Der Kiosk hat ein Sonnendach. Und vernünftig sind wir morgen wieder.
6. Erdbeeren.
7. Weil der Sommer immer zu kurz ist, auch wenn er zu heiß ist.
8. Weil auf Balkonen Nachbarn auftauchen, die man für eine Erfindung des Klingelschilds hielt.
9. Weil jeder Sommer die Sommer von früher mitbringt: die Eltern jünger, die Freunde lauter, man selbst unversehrter.
10. Weil man sich plötzlich darauf freut, drinnen nasse Wäsche aufzuhängen – die dann die Wohnung zumindest ganz kurz ein ganz bisschen kühlt.
11. Weil Stracciatella-Eis im Becher schneller schmilzt — und Milch und Schokolade dann plötzlich ernst genommen werden wollen.
12. Bei 35 Grad klingen Museen plötzlich nicht mehr nach Bildung, sondern nach Klimaanlage.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
13. Dieser Moment, wenn man erfrischt aus dem Wasser steigt, sich aufs Handtuch legt und die Sonne auf dem Rücken plötzlich nicht mehr brennt, sondern wärmt.
14. Leute mit Strohhut sehen aus, als hätten sie genau den richtigen Lebensweg gewählt.
15. Hitze macht, 35 Jahre nach Ende der DDR, den Traum wahr, auf den diese angeblich gebaut war: Alle Menschen sind gleich – verschwitzt, müde, genervt.
16. Weil Eiswürfel im Glas klingen, als werde alles gut.
17. Weil die kleinen Kinder bei so wenigen Kleidungsstücken endlich keine Ausrede mehr dafür haben, dass sie sich nicht allein anziehen können.
18. Weil man gegen 11 Uhr morgens trotzdem im Café sitzen kann mit Menschen, die einem die Tage zwar auch nicht kühler, aber ein wenig heller machen.
19. Weil der erste Sprung ins Freibadwasser beweist, dass eine Wiedergeburt für 4,80 Euro Eintritt zu haben ist.
20. Im Supermarkt bleibt man vor dem Kühlregal stehen wie andere vor dem Meer.
21. Offene Fenster erzählen jetzt kleine Romane: ein gepimptes Moped auf der Straße, Gelächter nebenan, irgendwo Streit.
22. Als Verkäufer in der Ventilatorenabteilung bei Media Markt hat man plötzlich sehr viele Freunde.
23. Man steht barfuß auf Gras und vergisst, dass es E-Mails gibt.
24. Weil Aperol Spritz ab 28 Grad einfach besser schmeckt.
25. Eine eiskalte Dusche klingt nicht mehr nach Askese, sondern nach Erlösung.
26. Im Sommer geht man nicht spazieren; man wechselt den Schatten.
27. Weil die Regierung sich endlich auf Reformen geeinigt hat; clever von Merz, im Koalitionsausschuss die Klimaanlage ausschalten zu lassen.
28. Weil die Hitze uns daran erinnert, dass der Körper kein Bürogerät ist.
29. Weil man wegen der Hitze um fünf wach wird und beim Lüften merkt: Selbst das Frankfurter Bahnhofsviertel kann ganz still sein.
30. Weil man versteht, warum Hunde sich einfach irgendwo hinlegen.
31. Weil die Deutsche Bahn immer noch unerträglich ist, aber echte Leidensgemeinschaften stiftet.
32. Weil man im Sommer eher bereit ist, eine zweite Kugel zu nehmen.
33. Weil Kirchen bei 35 Grad wieder ihren ältesten Standortvorteil ausspielen: kühlen Stein.
34. Man bekommt Heimweh nach Orten, an denen man nie war.
35. Im Sommer ist man großzügiger mit der eigenen Unordnung: Badetaschen im Flur, Flaschen auf dem Balkon, Handtücher über Stühlen.
36. Weil das Leben so viel mehr Spaß macht, wenn die Sonne erst nach 21 Uhr untergeht.
37. Im Freizeitpark kann man zehnmal hintereinander Achterbahn fahren und auf den Freefall-Tower gehen, ohne dass man sich anstellen muss; es ist ja sonst keiner da.
38. Weil man fast nie abends draußen sitzt und denkt: Ach, hätte ich doch nur eine Jacke mitgenommen!
39. Weil Gurkensalat bei 32 Grad wie eine zivilisatorische Errungenschaft schmeckt.
40. Weil man bei 34 Grad niemandem übelnimmt, wenn er nur noch in Getränken denkt.
41. Weil ein Balkon, der im November traurig war, im Juli plötzlich die hohe Miete rechtfertigt.
42. Weil der Himmel abends Farben annimmt, für die man im Baumarkt alberne Namen erfinden würde.
43. Weil ein nasses Handtuch im Nacken ohne Weiteres als Lifehack gelten kann.
44. Weil man im Freibad erkennt, dass eine Liegewiese ein politisches System ist.
45. Weil man um Mitternacht noch die Bettdecke sucht, obwohl sie eindeutig der Feind ist.
46. Weil Flipflops das Geräusch machen, das jede Arbeitsethik widerlegt.
47. Weil die Hitze kleine Charaktertests organisiert: Wer teilt den Schatten? Wer monopolisiert den Ventilator?
48. Weil man im Sommer öfter „Ach, komm“ sagt.
