Für Frankfurts Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert könnte es eine seiner letzten Amtshandlungen sein – und ein echter Wohlfühltermin: Der auch für die Stadtentwässerung zuständige Grünen-Politiker hat jetzt ein fast 1000 Quadratmeter großes Solarfaltdach in Betrieb nehmen dürfen, das über neun kleineren Klärbecken in Frankfurt-Niederrad montiert wurde. In fast sechs Meter Höhe sind 530 Solarmodule angebracht, die wie eine Ziehharmonika ein- und ausgefahren werden können. Bisher gibt es nur ganz wenige Anlagen dieser Art in Deutschland, eine weitere steht im südhessischen Langen.
Mit einem Spitzenwert von 151 Kilowatt Peak soll das Dach künftig jährlich rund 150.000 Kilowattstunden sauberen Strom erzeugen und damit 70 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid einsparen. Der leicht übernächtigt wirkende Siefert, der nach dem Abschluss des Koalitionspokers im Römer demnächst seine Aufgaben an die CDU abgeben muss, spricht von einer „coolen“ Sache auf dem Weg zu mehr Klimaschutz.
Weitere Solardächer könnten folgen
Die Stadtentwässerung hat rund eine Million Euro in die von einem Schweizer Unternehmen gefertigte Photovoltaikanlage investiert. Auf 39 Meter Länge und 30 Meter Breite wurde das Pilotprojekt in vier Monaten über den „Deni-Becken“ errichtet. Darin erfolgt die sogenannte Denitrifikation, also die Entfernung von Nitraten aus dem Abwasser durch Umwandlung in Luftstickstoff. Der aus dem Solardach gewonnene Strom kommt sofort wieder dem laufenden Betrieb der Kläranlage zugute, die das Abwasser von 1,35 Millionen Menschen aus Frankfurt und angrenzenden Kommunen aufnimmt.

Wenn die neue Pilotanlage gut funktioniert, will der Eigenbetrieb über weitere der zahllosen Klärbecken Solardächer bauen. Dafür kommen bei der biologischen Stufe und der Nachklärung insgesamt 30.000 Quadratmeter infrage. Das würde die Eigenproduktion von bis zu vier Megawatt Strom ermöglichen, sagt Andreas Hickmann, der technische Betriebsleiter der Frankfurter Stadtentwässerung. In Niederrad verbraucht der Eigenbetrieb allein in einem Monat 270.000 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Bei einem privaten Haushalt sind es 3000 bis 4000 Kilowattstunden, allerdings pro Jahr.
Die Frankfurter Stadtentwässerung hat auf ihrem riesigen Gelände in Niederrad seit 2010 einige ihrer Betriebsgebäude mit Solaranlagen bestückt, weitere sollen folgen. Insgesamt hofft man, zehn bis 15 Prozent des Stroms dann selbst zu erzeugen. Bis sich die Kosten für das neue Faltdach amortisieren, wird es aber eine Weile dauern. Hickmann geht von 15 Jahren aus, je nach Sonneneinstrahlung und Höhe der Strompreise.
Das neue Dach wird künftig regelmäßig nachts eingefahren, tagsüber wird es je nach Witterung im ausgefahrenen Zustand den Becken Schatten spenden. Dies hat auf die Klärung der Abwässer sogar eher einen positiven Einfluss, wie Hickmann sagt. Zusätzlich wurde auf Höhe der Module eine Brücke gebaut, von der aus die Klärbecken gesäubert werden können. Die Leichtmodule des Solardachs haben das nicht nötig, sie sind selbstreinigend konstruiert.
