In Deutschland ist es populär, Flächen in der Maßeinheit Saarland anzugeben. Wobei – ist es wirklich populär? Für Saarländer ist es ärgerlich und für alle anderen langweilig. So genau kann man sich die Fläche dann trotzdem nicht vorstellen. Ob fünf- oder zehnmal so groß wie das Saarland, macht gefühlt keinen Unterschied. Darum jetzt mal eine erfreulich originelle Maßeinheit: Wissen Sie, was so groß ist wie Deutschland ohne Niedersachsen?
Keine Sorge, liebe Niedersachsen, ein solches Deutschland will niemand. Es käme auch Nicht-Niedersachsen vor wie ein angebissener Apfel, ein Friesennerz ohne Kapuze, Grünkohl ohne Pinkel. Es geht nur um die Fläche. Die Antwort lautet: „Oman, im Südosten der Arabischen Halbinsel gelegen, ist so groß wie Deutschland ohne Niedersachsen.“ So steht es in der Zeitung „Behörden Spiegel“, der Monatszeitung für den öffentlichen Dienst.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Sofort stellt sich die Frage, warum in deutschen Behörden jetzt auch noch die Größe von Oman ein Thema sein muss. Haben die da nicht genug mit dem Saarland, Niedersachsen und anderen Krisenregionen hierzulande zu tun? Derzeit ist ja im Prinzip jede Region eine Krisenregion. Überall sind die Menschen unzufrieden, oft gar nicht mal so sehr damit, wie es ihnen geht, sondern vielmehr übergeordnet, mit Blick aufs große Ganze. Und da kommt Oman ins Spiel.

Auch dort entscheidet sich das große Ganze mit. Etwa die Frage, was Benzin in Saarbrücken oder Hannover kostet. Jedenfalls mittelbar. Oman liegt an der Straße von Hormus, und die ist bekanntlich derzeit umkämpft. Es kommen kaum Schiffe durch, und alle Versuche, daran etwas zu ändern, waren bislang erfolglos. Eine nachhaltige Lösung kann eigentlich nur auf dem Feld der Diplomatie gefunden werden. Und dieses Feld bespielt – neben vielen anderen – auch die Botschafterin von Oman in Deutschland, Maitha Saif Al Mahrouqi. Dem Gespräch mit ihr widmet der „Behörden Spiegel“ eine ganze Seite. Einen nicht unbeträchtlichen Teil davon nimmt ein Rezept ein, das „Rezept der Botschafterin“.
Es handelt sich um eine Anleitung zum Kochen von Madfoon, einem traditionellen Reis- und Fleischgericht, das in weiten Teilen der arabischen Welt, besonders aber in der Golfregion verbreitet ist. Der Name bedeutet „vergraben“, denn ursprünglich wurde das Gericht in einer Grube gegart, bedeckt von heißem Sand.
Was geht das nun die deutschen Staatsdiener an? Erst mal nichts – doch auf der anderen Seite sollen sie sich ja für Oman und seine Bedeutung in der Welt interessieren. Und Essen ist nun einmal eins der mächtigsten Instrumente, um die Aufmerksamkeit zu gewinnen. Großer Vorteil: Madfoon ist leicht zu machen, gelingt, schmeckt. Nervennahrung für Beamte, die so mal wieder über den Tellerrand schauen.
