Was unterscheidet Deutschland von Liechtenstein? Zunächst einmal die Größe. Deutschland hat rund 83 Millionen Einwohner, Liechtenstein 40.000. Das trägt dazu bei, dass viele Deutsche noch nie einen Liechtensteiner getroffen haben, obwohl die Länder nicht weit voneinander liegen. Vorteil im politischen Berlin: die liechtensteinische Botschaft veranstaltet ein Sommerfest. Es findet in der Botschaftsresidenz im noblen Grunewald statt.
Als das Fürstentum das Haus vor rund zwanzig Jahren kaufen wollte, debattierte das dortige Parlament, ob es nicht zu schick und zu teuer sei; es habe ja sogar ein Schwimmbad. Der damalige Außenminister des Landes plädierte für den Kauf. Er wurde zitiert mit den Worten: „Ich kann von niemanden verlangen, mit einer stumpfen Axt einen großen Baum zu fällen.“ Sollte heißen: Liechtenstein habe in Berlin eine große Arbeit vor sich und müsse entsprechend ausgestattet sein. Die Residenz wurde gekauft.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Neben einem Schwimmbad hat sie aber vor allem einen großen Garten, der von hohen Bäumen umstanden ist. Und dort bekommen die Gäste am Montagabend einen Eindruck davon, welche große Aufgabe die Liechtensteiner in Berlin bewältigen. Sie wollen die Beziehungen der beiden Länder stärken. So weit normal für Botschafter. Aber wenn der Größenunterschied der Länder so gewaltig ist, ein Kraftakt.
Sie ist in Botschaftskreisen geradezu berühmt
Umso angenehmer, dass die Botschafterin Isabel Frommelt-Gottschald mit ebenso großer Leichtig- wie Herzlichkeit auftritt. Die ist in Botschaftskreisen geradezu berühmt; andere Diplomaten schwärmen beim Wildberry Lillet von ihr, und sie hat auch Gäste wie den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck hergeführt. Die japanische Botschafterin greift vorerst zum Bier. Es stammt natürlich aus Liechtenstein.
Neben der Gastgeberin sind auch die liechtensteinische Regierungschefin Brigitte Haas und der Bildungsminister Daniel Oehry gekommen. Oehry berichtet, eines der wichtigsten Themen in seinem Ressort sei gerade die Frage von Handys und Social Media in Schulen. Gibt es da Debatten? Das ja. Aber so richtig Streit eher nicht.
Zur Begrüßung gibt der Minister zu bedenken, dass, weil Liechtenstein so klein sei, jeder dort im Kontaktgeflecht verschiedene Hüte aufhabe. „Dein Nachbar kann dein Onkel sein und vielleicht zugleich dein Vorgesetzter.“ Lachen, Gläserklirren. Auch die Regierungschefin beschreibt, wie die Nähe die Art des Umgangs präge. Weil alle einander so oft über den Weg liefen, brauche es eine Konsenskultur. Das unterscheide ein kleines Land von einem großen.
Somit ist das Büfett eröffnet; Konsens unter den Gästen, dass das eine gute Idee sei. Sie plaudern bis in die Nacht. Beinahe, als sei der Garten der Botschaftsresidenz heute selbst ein kleines Land.
