Jakob Alberti, 26 Jahre, Karlsruhe
Vor zwei Jahren bin ich mit dem Fahrrad losgefahren. Mein Ziel: die Weltmeisterschaft in den USA. 26.000 Kilometer habe ich zurückgelegt — einmal durch ganz Europa, Asien und Australien. Von dort bin ich dann in die USA geflogen und die letzte Etappe von Los Angeles nach Houston zum Stadion geradelt. Als ich am Flughafen in Los Angeles ankam, wurde ich in einen Extraraum geführt. Dort wurden mir dann ein paar Fragen gestellt. Der Grund: Ich war auf meiner Reise mit dem Fahrrad durch den Irak gefahren. Aber als ich ihnen von meiner Reise erzählte, konnte ich weiter.

Für das Ticket zum ersten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft habe ich rund 400 Dollar bezahlt. Insgesamt versuche ich, so günstig wie möglich zu reisen. Bezahlbare Unterkünfte zu finden, ist aber leider ziemlich schwierig. Die Stimmung im Stadion war sehr gut, ich saß direkt in der deutschen Fanzone hinter dem Tor. Eigentlich wollte ich auch das zweite Gruppenspiel im Stadion sehen, ich war an dem Tag aber zu einer Hochzeit in Chicago eingeladen, das hatte ich falsch geplant. Ich will so lange hierbleiben, bis Deutschland aus dem Turnier ausscheidet.
Die Tickets versuche ich immer, kurz vor den Spielen zu kriegen, leider sind sie dann aber sehr teuer. Im Stadion trage ich meistens mein selbst gebasteltes Trikot: zur Hälfte Deutschland, zur Hälfte mein Lieblingsverein von zu Hause, der Karlsruher SC. Mein Highlight abseits des Fußballs war, meine Gastfamilie in Chicago wiederzusehen. Vor Jahren war ich dort als Austauschschüler. Das hat sich ein bisschen wie zu Hause angefühlt. Über die Kritik an der WM mache ich mir natürlich Gedanken. Auf Instagram teile ich meine Reise und versuche, zu zeigen, dass auch die Amis liebe Menschen sind. Ich habe bisher nur wenige Trump-Unterstützer getroffen. Ich bin mir übrigens sicher: Deutschland wird Weltmeister! Danach fahre ich mit dem Fahrrad wieder zurück nach Deutschland, es liegen also noch ein paar Kilometer vor mir.
Frederik Lochthowe, 28, Janis Jarzinka, 29, Moritz Noetzel, 28, Joel Gievert, 27, alle aus Dorsten
Bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, war schon lange unser Ziel. Deshalb haben wir die letzten zwei Jahre die Nationalmannschaft zu vielen Spielen begleitet. So konnten wir viele Punkte im DFB-Fanclub sammeln und leichter Tickets kaufen. Wir sind bei den ersten vier Spielen der Nationalmannschaft dabei, für die Karten haben wir jeweils rund 200 Euro bezahlt. Insgesamt haben wir 5000 Euro pro Person für die Reise eingeplant, mittlerweile rechnen wir eher mit 6000 bis 7000 Euro. Wir versuchen, günstig zu reisen, beim Hinflug mussten wir zweimal umsteigen.

Bei der Einreise in die USA gab es keine Probleme. Der Mann bei der Passkontrolle stellte uns nur eine Frage: „Was tippt ihr auf das Spiel gegen Curaçao?“ Die Stimmung ist insgesamt viel besser als erwartet. Alle sagen, die USA seien kein Fußballland – aber überall wird gefeiert! Das Stadion in Houston war sehr beeindruckend, die Amerikaner können Show! Das Bier war sehr teuer – 20 Dollar für einen halben Liter –, aber dann trinkt man eben ein bisschen weniger, das ist auch nicht schlimm. Im Stadion war es fast ein bisschen zu kalt, es wurde auf 22 Grad klimatisiert. Auch in Toronto war die Stimmung gut, besonders der Fanmarsch zum Stadion war toll. Das geht bei den amerikanischen Stadien leider nicht, die sind nicht dafür gebaut, dass man sie als Fußgänger erreicht. Rund um das Stadion in New York etwa sind Zigtausende Parkplätze für Autos, das ist sehr anders als bei uns. Auch die Stimmung bei der WM ist ganz anders als in der Bundesliga. Es gibt keinen Hass, alle feiern zusammen den Fußball. Als Schalke-Fans wissen wir, dass das auch anders aussehen kann. Selbst nach der Niederlage gegen Ecuador im dritten Gruppenspiel war die Stimmung gut. Die Ecuadorianer waren klar in der Überzahl im Stadion, alles war gelb, und teilweise hatten sie Tränen in den Augen. Man kann sich für sie freuen, auch wenn das Spiel für uns ein bisschen enttäuschend war.
Die Gastfreundschaft der Amerikaner ist echt sehr groß, die freuen sich sehr, wenn sie uns sehen. Ständig müssen wir Fotos mit allen machen, weil sie nicht glauben können, dass wir wirklich aus Deutschland kommen. Das ist schön. Sie erkennen uns, weil wir eigentlich immer unsere Deutschlandtrikots tragen. Wir haben zwar auch andere T-Shirts dabei, aber noch nie etwas anderes angezogen! Wir hoffen auf den Weltmeistertitel. Realistisch glauben wir, dass wir bis ins Halbfinale kommen.

Florian Golbik, 37 Jahre, Berlin
Die WM ist für mich vor allem eine große Party. Ich bin zwar Fußballfan, aber kein Experte. Ich bin für die Stimmung hier. Und die ist sehr gut: Die Deutschlandspiele haben den Charakter einer Klassenfahrt.
Am Flughafen oder in der Stadt erkennt man sich sofort am Trikot und versteht sich gut. Ich habe meine Reise allein geplant – aber hier lernt man ohnehin viele Menschen kennen. Man trifft sich immer wieder auf den Fantreffen in den verschiedenen Städten. Mein Merkmal: Ich habe immer meinen WM-Pokal dabei.
Ich habe Tickets für alle Deutschlandspiele bis ins Halbfinale – aus beruflichen Gründen muss ich allerdings früher zurück. Neben Deutschland bin ich aus privaten Gründen auch Fan von Argentinien, Marokko und Kolumbien, deshalb habe ich von den drei Ländern auch jeweils ein Spiel verfolgt.
Und ich war in allen Gastgeberländern: USA, Mexiko und Kanada. Die Stimmung in Mexiko ist noch mal besser als in den USA und Kanada, man merkt, dass das ein fußballverrücktes Land ist. Überall war Party auf dem Weg zum Stadion, das war toll. Die Stimmung, auch zwischen Fans von verschiedenen Nationen, ist super. Ich versuche, überall viele Menschen anzusprechen und kennenzulernen. Vielleicht kann ich sie irgendwann mal besuchen. Nach der Niederlage im dritten Gruppenspiel habe ich ein paar Ecuadorianer kennengelernt und mit ihnen in New Jersey ihren Sieg gefeiert. Das war dann sogar ein bisschen cool, dass die deutsche Mannschaft verloren hat. So konnten die ihre Party machen.
Klar ist aber: Die Kosten sind teilweise absurd. Für meine Tickets habe ich unterschiedlich viel bezahlt: Manche habe ich für etwa 160 Euro bekommen – das finde ich okay –, für andere habe ich 500 oder noch mehr bezahlt. Meine Schmerzgrenze: Für das Spiel Argentinien gegen Österreich musste ich kurz vorher auf dem Zweitmarkt ein Ticket kaufen. Das hat 1350 Euro gekostet. Sonst versuche ich, möglichst günstig zu leben. Ich gehe nicht essen, trinke kein Bier im Stadion, so spare ich schon viel. Teilweise kann ich bei Freunden übernachten. Insgesamt rechne ich mit rund 12.000 Euro für meine gesamte Reise, ungefähr einen Monat werde ich unterwegs sein. Aber ich bereue nichts, so eine WM ist eine einmalige Sache. Auch abseits des Fußballs erlebe ich tolle Sachen: In Houston etwa hat mich ein Freund zu einer Gartenparty mitgenommen. Bekannte von ihm haben ein riesiges Anwesen auf dem Land, alle kamen im Hawaiihemd, das war lustig.
Aber die Reise ist auch sehr anstrengend: alle zwei Tage eine neue Stadt, ständig im Flugzeug, sonst viel Party. Aber als Marineoffizier bin ich das gewohnt, ich brauche nicht viel Schlaf. Es lohnt sich auf jeden Fall, man hat das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Mein Tipp für den Weltmeister: Frankreich. Ich glaube, Deutschland fliegt im Achtelfinale raus. Die Mannschaft muss noch ein bisschen zusammenwachsen. Vielleicht ist es in vier oder acht Jahren dann so weit. Die neu eingeführten Trinkpausen finde ich übrigens ganz angenehm. Sie verlängern das Stadionerlebnis.
