
Fast 40 Jahre nach dem Tod ihres Kindes steht eine Mutter und damalige Sektenangehörige wieder wegen Mordes vor Gericht. Der vier Jahre alte Junge war 1988 zu Tode gekommen, er war in einen Sack gesteckt worden und darin erstickt. Der neue Prozess gegen die Mutter vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Frankfurt beginnt am 25. September, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.
Die Frau war im Jahr 2022 vom Landgericht Hanau nach rund einjährigem Prozess vom Verdacht des gemeinschaftlichen Mordes freigesprochen worden. Das Gericht war damals zu dem Schluss gekommen, dass ihr die Tat nicht nachgewiesen werden könne. Die Staatsanwaltschaft legte daraufhin Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und verwies das Verfahren zur Neuverhandlung an das Frankfurter Landgericht.
Kind in Sack gesteckt
Das Kind war am 17. August 1988 gestorben, seine Eltern gehörten einer Hanauer Sekte an. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor, ihren Sohn in den Sack gesteckt, diesen oben verschnürt und das Kind in die Obhut der Anführerin der Sekte gegeben zu haben.
Diese Sektenführerin wurde 2023 vom Frankfurter Landgericht rechtskräftig wegen Mordes aus niederen Beweggründen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach den Feststellungen der Richter sah sie den Jungen als von dunklen Mächten besessen an. Sie habe die lebensbedrohliche Situation des Kindes erkannt, aber aus Hass beschlossen, den schreienden Jungen in dem Sack liegen zu lassen, hieß es in der Urteilsbegründung. Dabei habe sie den Tod des Vierjährigen zumindest billigend in Kauf genommen.
Nach dem Tod des Jungen waren die Behörden lange von einem Unglücksfall ausgegangen. Erst nach Aussagen von Sektenaussteigern im Jahr 2015 wurde wieder ermittelt.
