
Schwere Erdstöße haben am frühen Montagmorgen im Süden der Philippinen Häuser zum Einsturz gebracht und Behördenangaben zufolge mindestens 15 Personen getötet. Mindestens 129 weitere Menschen wurden nach jüngsten Angaben des Zivilschutzes verletzt. Das philippinische Institut für Vulkanologie und Seismologie (Phivolcs) hatte das Beben mit einer Stärke von 7,8 und einer Tiefe von 33 Kilometern angegeben. Es soll sich um 7.37 Uhr Ortszeit vor der Küste der Provinz Sarangani auf der Insel Mindanao ereignet haben, etwa 32 Kilometer westlich der Stadt Maasim.
In der Stadt General Santos City waren den Berichten zufolge mehrere Häuser eingestürzt, darunter ein Fast-Food-Restaurant. Die Behörden sprachen von „erheblichen Schäden an verschiedenen Infrastruktureinrichtungen“. Zahlreiche Nachbeben erschütterten die Region. Die Behörden gaben eine Tsunami-Warnung für mehrere Provinzen aus. Dort wurden Wellen von bis zu 1,4 Meter gemessen. Die Bewohner der Küstenregionen wurden aufgefordert, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben.
Auch Japan, Indonesien und andere Nachbarländer warnten vor möglichen Flutwellen infolge des Bebens. Das Pacific Tsunami Warning Center auf Hawaii hatte die Tsunami-Gefahr wenige Stunden später allerdings schon für „weitgehend“ vorüber erklärt. Auch Indonesien hat seine Warnung bereits aufgehoben. Auf den Philippinen wurden Berichten zufolge aber mehrere Zentimeter hohe Wellen gemessen. Die Tsunami-Warnung werde dort deshalb vorerst noch aufrechterhalten, sagte Winchelle Ian Sevilla, Fachmann bei Phivolcs, der BBC zufolge einem lokalen Sender.
Viele Schulkinder befanden sich gerade zur Fahnenzeremonie im Freien
Der örtlichen Presse zufolge waren in mehreren Städten das Internet sowie die Strom- und Wasserleitungen gestört. Auch der Flughafen in General Santos City stellte den Betrieb vorerst ein. Es wurde von schweren Schäden an Schulen, Krankenhäusern, Einkaufszentren und Kirchen berichtet. Ein möglicherweise glücklicher Umstand war, dass sich viele Schulkinder zur Zeit des Bebens zum morgendlichen Flaggenappell im Freien befanden.
Ein Video, das von philippinischen Medien geteilt wurde, soll Schulkinder einer Grundschule in der Provinz Davao Occidental zeigen, die sich weinend auf den Boden kauerten, während sich der Boden stark hin- und herbewegte. Einige wurden dabei von Erwachsenen im Arm gehalten. Die Kinder sprangen schreiend auf, als hinter ihnen eine seitlich offene Dachkonstruktion zusammenfiel.
In den betroffenen Gebieten im Süden der Philippinen wurde aus Sicherheitsgründen der Unterricht in den Schulen ausgesetzt. „Die Sicherheit der Kinder hat Vorrang”, sagte Präsident Ferdinand Marcos Jr. in einer Mitteilung.
„Wir setzten uns auf den Boden und beteten“, so eine Anwohnerin
Das Beben war im gesamten Gebiet der Insel Mindanao sowie auf der Insel Sulawesi in Nachbarland Indonesien zu spüren. „Es war sehr stark und schien sehr lange anzudauern“, berichtete die Anwohnerin Susan Palad aus der Stadt Davao City der F.A.Z. per Textnachricht. In der ersten Welle des Bebens habe sich der Boden vertikal nach oben und unten bewegt, gefolgt von einer starken horizontalen Bewegung. „Wir setzten uns auf den Boden und beteten, weil es so schwierig war, aufrecht zu stehen“, so Palad.
Auf der Straße seien einige Motorräder ins Schleudern geraten, so die Frau weiter. „Es fühlte sich an, als würden alle Gegenstände aus unserem Haus herunterfallen“, schrieb die Anwohnerin Janzie Timajo in einer weiteren Textnachricht. Da der Süden der Philippinen zu den ärmsten Regionen des Landes gehört, könnte das Beben für die Menschen dort besonders schwere Folgen haben. Das Land werde Mindanao nicht allein lassen, hatte Präsident Marcos in seiner Mitteilung versprochen. Er wies die Behörden an, den Menschen umgehend Hilfe zukommen zu lassen.
