
Für den schwedischen Hersteller Saab gilt die Nachricht als schwerer Schlag, auch wenn das Unternehmen große Teile der Ausstattung der Schiffe stellen dürfte. Doch die schnelle Verfügbarkeit der Fregatten war ein zentrales Argument dafür, nun in Verhandlungen für den Kauf in Frankreich zu treten; von 2030 an soll pro Jahr eines der in Schweden künftig Luleå-Klasse genannten Schiffe ausgeliefert werden, rund zehn Milliarden Kronen (etwa 880 Millionen Euro) pro Stück sollen sie kosten.
Schweden verfügte lange über eine starke Marine, nach dem Ende des Kalten Kriegs wurden die Fähigkeiten massiv abgebaut – ebenso wie in allen anderen militärischen Bereichen. Große Schiffe wurden durch die vergleichbar kleinen Korvetten der Visby-Klasse ersetzt; der Fokus lag auf dem Schutz der eigenen Küste, nicht auf der Sicherung der Seewege. Mit den Schiffen der Visby-Klasse sind nur kurze Einsatzzeiten von bis zu einer Woche möglich, mit der Luleå-Klasse verlängern sich diese nun auf bis zu einen Monat.
Der Schutz der Seewege wird wieder wichtiger
Mit den Fregatten weite die Marine ihre möglichen Einsatzbereiche massiv aus, sagt dazu Johan Granholm. Er ist Forscher am Institut für Verteidigungssysteme der Schwedischen Verteidigungshochschule. Damit erfülle Schweden die Anforderungen der NATO, nun könne es an Missionen weit außerhalb der eigenen Gewässer teilnehmen. Außerdem könne Schweden damit wieder stärker den Transport von Gütern auf den Meeren sichern, so Granholm. Das Thema sei nach dem Zweiten Weltkrieg wichtig gewesen, dann jedoch aus dem Fokus verschwunden. Derzeit gebe es aber wieder ein starkes Gefühl der Bedrohung der Seewege.
Mit den Fregatten werden Schwedens Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd verstärkt, zudem die Luftverteidigung des Landes. Auch in diesem Bereich hatte das Land seine Kapazitäten massiv abgebaut, von sieben Regimenten zu nur noch einem. Mit den Fregatten ändert sich das. Diese werden laut Verteidigungsminister Jonson in der Lage sein, ballistische Raketen abzuschießen. „Dies wird den Patriot-Raketen an Land entsprechen“, so Jonson. Mit den Fähigkeiten der Fregatten zur Luftverteidigung könnten andere Schiffe oder ganze Städte geschützt werden, sagt der Forscher Granholm. Zudem seien sie sehr viel schneller zu bewegen als Verteidigungssysteme an Land.
Fast jede Woche trifft Schwedens Marine auf russische U-Boote
Im Ostseeraum sind infolge des russischen Angriffskriegs die Spannungen stark gestiegen. Der Einsatzleiter der schwedischen Marine, Marko Petkovic, sagte im vergangenen Jahr dem britischen „Guardian“, die schwedische Marine treffe „fast jede Woche“ auf russische U-Boote. Angenommen wird, dass die Region Schauplatz für künftige Konflikte mit Russland sein könnte. Sollte Moskau die NATO testen wollen, dürfte das laut Fachleuten im Ostseeraum erfolgen.
Zuletzt haben deswegen auch die anderen Ostseeanrainer massive Investitionen in ihre maritimen Kapazitäten angekündigt. So plant die Bundesrepublik den Kauf von vier Fregatten beim Konzern TKMS; langfristig sollen sechs weitere Fregatten der Niedersachsen-Klasse angeschafft werden. Finnland hat vier Kriegsschiffe der Pohjanmaa-Klasse bestellt, das sind Korvetten, allerdings in Fregattengröße. Polen baut derzeit drei moderne Fregatten, und Norwegen hat gleich fünf Fregatten von BAE Systems in Großbritannien bestellt.
Im Ostseeraum ergibt sich dadurch eine deutliche maritime Übermacht der NATO. Häufig ist deswegen vom „NATO-Meer“ die Rede. Ein Begriff, den Militärfachleute aber meist ablehnen, schließlich verteidigt Russland vehement seinen Zugang zu dem Binnenmeer, sowohl für das Militär als auch für den Handel. Denn die Ostsee ist entscheidend für den Export des russischen Rohöls, rund 50 Prozent davon laufen hindurch. Aufgrund der westlichen Sanktionen nutzt Russland dafür hauptsächlich Schiffe der sogenannten Schattenflotte, die unter der Flagge von Kleinststaaten laufen und häufig nur schlecht oder gar nicht versichert sind. Schweden verschärfte zuletzt seine Gangart und stoppte mehrere der Schiffe, etwa aufgrund von Flaggenverstößen – was dazu führte, dass viele nun schwedische Gewässer meiden und den längeren Weg südlich von Bornholm nehmen. Allerdings steigt dadurch auch die Sorge vor einer Eskalation.
Auf die Frage, ob es derlei große Fregatten überhaupt noch braucht angesichts eines radikalen Wandels der Kriegsführung hin zu kleinen, unbemannten Systemen, ob in der Luft, an Land oder auf See, wie er derzeit in der Ukraine zu sehen ist, antwortet Granholm: „Der nächste Krieg wird nicht der gleiche sein wie in der Ukraine.“ Dort herrsche ein Landkrieg zwischen zwei Großmächten, mit nur geringem maritimem Anteil. Die Ukraine verfüge über starke Kapazitäten zum Transport militärischer Güter an Land. Schweden sei hingegen auf den Seetransport angewiesen, und diesen gelte es zu schützen. Am besten mit einer Kombination aus klassischen und unbemannten Verteidigungssystemen.
