
Nach den Schüssen auf einen Polizisten in Göttingen haben die Behörden den mutmaßlichen Täter ermittelt. Gesucht wird nach einem 16 Jahre alten Jugendlichen. Gegen ihn liegt ein europäischer Haftbefehl wegen versuchten Totschlags vor, wie die Staatsanwaltschaft Göttingen am Montag mitteilte. Den Behörden sei nicht bekannt, ob sich der mutmaßliche Täter in Deutschland aufhält oder ob er sich bereits ins Ausland abgesetzt habe.
In Göttingen war es am Samstagabend am Weender Tor nahe des Hauptbahnhofs zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei polizeibekannten Großfamilien gekommen. Im Verlauf des Streits wurden mehrere Schüsse abgegeben. Gegen 22.15 Uhr wurde der junge Polizist getroffen und schwer verletzt. Der Beamte befinde sich aber nicht mehr in Lebensgefahr, teilte die Polizeiinspektion Göttingen mit.
Nach den Schüssen hatte die Polizei den Tatort abgesperrt und noch am selben Abend drei Objekte in Göttingen und in Gieboldehausen durchsucht. Dabei wurden rund 40 Handys für eine Auswertung sichergestellt.
Fall löst politische Debatte aus
In Göttingen war es bereits im vergangenen Herbst zu zwei schweren Auseinandersetzungen zwischen zwei rivalisierenden Großfamilien gekommen, die im Stadtgebiet aufeinander losgingen.
Die schwere Verletzung eines Polizeibeamten am Samstagabend löste in Niedersachsen nun eine politische Debatte aus. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) nannte die Eskalation „erschreckend und absolut inakzeptabel“. Wer die Polizei derart brutal angreife, verachte den Rechtsstaat.
Der innenpolitische Sprecher der mitregierenden Grünen, Michael Lühmann, sagte, Göttingen sei eine „tolerante und friedliche Stadt, Gewalt – zumal gegen Einsatzkräfte – hat nirgends und erst recht nicht in Göttingen einen Platz“. Jetzt gelte es, die Ermittlungsbehörden „erst einmal ihre Arbeit machen“ zu lassen, bevor man politische Schlussfolgerungen ziehe.
Die Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion, Carina Hermann, sagte, Gewaltkriminalität müsse konsequent bekämpft werden. Der Staat dürfe keinen Zweifel an seiner Handlungsfähigkeit aufkommen lassen, wenn „Schusswaffen im Umfeld bekannter krimineller Strukturen eingesetzt werden“. Der AfD-Abgeordnete Stephan Bothe forderte eine Aufklärung „ohne ideologische Scheuklappen“.
