Vielleicht
muss man mit Phil Malcolm beginnen, um sich dem Phänomen der schottischen Fans
zu nähern. Aufgelöst steht der 65-Jährige vor dem WM-Stadion in Miami Gardens. Es
sind noch anderthalb Stunden bis zum Anpfiff. »Sie sind nicht gekommen, sie
sind einfach nicht gekommen«, sagt er. Sein Schottlandtrikot spannt über dem
Bauch, unter dem Kilt kommen kräftige Waden zum Vorschein. Malcolm erzählt, er
habe 1.000 US-Dollar gezahlt, um doch noch dabei zu sein, wenn Schottland gegen
Brasilien spielt und vielleicht den größten Erfolg in seiner Geschichte
erreicht, den erstmaligen Einzug in die K.-o.-Runde bei einer WM. Doch die
Ticketverkäufer hätten sich nicht am verabredeten Treffpunkt blicken lassen.
»Sie haben mich betrogen«, sagt Phil Malcolm, »aber ums Geld geht es mir nicht.
Es geht mir darum.« Er deutet auf das Stadion, dann legt er die Hand auf seine
Brust, auf das Wappen mit dem roten Löwen und den Disteln, zwei Symbolen
Schottlands.