
Der Siemens-Rivale Schneider Electric stärkt sein Softwaregeschäft. Am Montag kündigte der auf Energiemanagement und Industrieautomatisierung spezialisierte französische Konzern die größte Akquisition in seiner Unternehmensgeschichte an. Demnach will er für 23,7 Milliarden Dollar (21,1 Milliarden Euro) den amerikanischen Softwarespezialisten Parametric Technology Corporation (PTC) übernehmen. Abgeschlossen werden soll die Transaktion bis zum dritten Quartal 2027.
Schneider Electric verspricht sich von der Großakquisition weitere Wachstumsimpulse für sein Kerngeschäft. Sie sei „ein wichtiger Schritt in unserem Bestreben, Marktführer in der neuen Ära der Energie- und Industrieintelligenz zu werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Olivier Blum in einer Telefonkonferenz. Die Welt von morgen werde elektrischer und digitaler sein. Man schaffe mit PTC „eines der umfassendsten und qualitativ hochwertigsten Portfolios auf dem Markt für Industriesoftware und KI“, erläuterte Blum.
Die Börse zeigt sich da skeptischer. Der Kurs der Schneider-Electric-Aktie sank nach der Ankündigung am Montagmorgen um mehr als neun Prozent. Befürchtungen hinsichtlich einer Disruption durch KI belasteten nach wie vor die Bewertungen von Softwareunternehmen, schrieben die Analysten von Jefferies. Diese Unsicherheit habe zwar den Erwerb von PTC zu einer Bewertung auf einem Zehnjahrestief ermöglicht, sie könnte aber auch Schneider Electric nach der Transaktion belasten.
„Eher positive Auswirkungen“ der KI
Das in Boston sitzende Softwarehaus ist unter anderem in der 3D-Konstruktion und im Produktlebenszyklusmanagement tätig. Es ist nicht die erste Akquisition der Franzosen im Softwarebereich in jüngster Zeit. Schon für Aveva hatten sie mehr als elf Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Im Juni wurde dann die Übernahme des norwegischen Softwareanbieters Cognite für 2,7 Milliarden Euro angekündigt. Ebenfalls im Juni meldete Schneider Electric den Kauf des amerikanischen KI- und Satelliten-Start-ups AiDASH für 320 Millionen Euro.
Seit vergangenem Jahr sind die Aktienkurse von Softwarekonzernen wie Oracle, SAP oder Dassault Systèmes unter Druck geraten, da die Entwicklungsfortschritte der KI das klassische Geschäftsmodell infrage stellen. Schneider Electric sehe bislang dagegen keine negativen Auswirkungen der KI auf das eigene Geschäft, hatte Blum in einem Pressegespräch Anfang des Jahres klargestellt. Im Moment habe die KI in Bezug auf die Endmärkte „eher positive Auswirkungen“.
Es gebe sehr einfache Software, die sich um repetitive Aufgaben kümmert, und sehr komplexe Software, erläuterte der Schneider-Electric-Vorstandsvorsitzende seinerzeit. Mit dem britischen Unternehmen Aveva, das sich die Franzosen schon 2023 vollständig einverleibt haben, sei man im Bereich für komplexe Software tätig. Man verwalte digitale Zwillinge, um die Fabrik oder das Rechenzentrum von morgen zu bauen. Das seien „keine sich wiederholenden Aufgaben, die man von heute auf morgen durch Künstliche Intelligenz ersetzen kann“, sagte Blum.
An der Börse stand Schneider Electric zuletzt hoch im Kurs
Wichtigstes Wachstumsfeld für Schneider Electric sind Rechenzentren. Sie machen rund ein Viertel des Umsatzes aus, Tendenz stark steigend angesichts der boomenden KI-Entwicklung, die immer größere Rechenleistung benötigt. Schneider Electric liefert dabei die ganze Palette von Design und Bau der Infrastruktur über die Anlagensteuerung bis zur Analyse von per Sensoren ermittelten Daten in der Cloud. Noch mehr Softwareexpertise soll es ermöglichen, die Nutzung von industriellen Daten und KI-Anwendungen weiter zu verbessern.
Zuletzt stand Schneider Electric an der Börse hoch im Kurs. Der Aktienkurs legte seit Jahresbeginn um rund ein Fünftel zu. Die Marktkapitalisierung stieg bis zur Ankündigung der PTC-Übernahme auf knapp 170 Milliarden Euro, womit sich Schneider Electric im französischen Aktienleitindex CAC 40 an den Luxuskonzern LVMH herangerobbt hat und zum drittwertvollsten Unternehmen aufgestiegen ist – vor dem Energieriesen Totalenergies und dem Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus.
In Sachen Profitabilität hat Schneider Electric die Anleger in jüngster Zeit nicht enttäuscht. Der Reingewinn stieg im ersten Halbjahr auf 2,5 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und schafft Spielräume für Übernahmen. Die Finanzziele hat die Geschäftsführung im Sommer angehoben.
