
Im Auto läuft „We Are the Champions“ gegen den Post-Urlaub-Blues. Alle sind gerade immer müde. Der Alltag, die Nachrichten, das Wetter, mal zu heiß, mal zu kalt, es ist ein Graus. Wir haben ein Gegenmittel gefunden: einen knallvollen Geburtstagskalender. Nicht nur Freunde und Familie stehen darin, sondern auch die Wiegenfeste bekannter Legenden. Königin Elisabeth II. wäre 100 geworden, ebenso Marilyn Monroe und Leslie Nielsen. Schnell läuft die Party bis zum Spätsommer. Hoch die Tassen, hoch die Regler: Anfang September hätte Freddie Mercury seinen 80. Geburtstag gefeiert.
Die Champagnerkorken knallen auch in München: Sieben Jahrzehnte voller Promiklatsch, Dr. Sommer und Poster später hält sich die „Bravo“ tapfer aufrecht. Generationen von Jugendlichen haben dank ihr gelernt, dass Küsse nicht zu Babybäuchen führen müssen, und sammelten wochenlang Posterteile, bis die ganze Rockröhre an der Wand hing. Gregor Gysi wandte sich einst mit einem persönlichen Brief an die Zeitschrift, Lars Eidinger möge doch bitte auf einem Poster verewigt werden. So finden Generationen zusammen. Und Eidinger in die „Bravo“.
Zocker pilgern nach Köln
Unsereins hatte rund um den dreizehnten Geburtstag endlich Erfolg. Die Mutter gab dem Betteln nach. Endlich kein Kind mehr, endlich ein Teenager, endlich fast erwachsen! Selbst zum Kiosk gehen wollten wir dann aber nicht, viel zu peinlich. Die erste „Bravo“, welch ein Meilenstein, ein treuer Begleiter für Babyboomer und Neunzigerjahregeborene. Im Alltag streiten Jung und Alt immerzu, nur in dieser Woche nicht. Gemeinsam wird einfach mal über das Tal der Peinlichkeiten namens Pubertät gelacht. Die Laune wird gleich besser.
Ein seliges Grinsen im Gesicht tragen am Samstag und Sonntag auch die Zocker im ganzen Land. Die Gamescom hat zur Messe nach Köln gerufen. Die Gläubigen in kuriosen Gewändern haben sich versammelt, um Playstation, Xbox und „Tetris“ zu huldigen. Der Austragungsort färbt in seiner Fröhlichkeit stets auf die Besucher ab. Manga-Gestalten mit pastellfarbenen Rüstungen und Fuchsschwänzen reihen sich an Hobbit, Ritter und Prinzessin. Warum die nicht eben für Fröhlichkeit bekannte Bundeswehr einen Stand betreibt, ist uns leider nicht bekannt. Wohl aber vermuten wir eine gewisse Affektion zur Kostümierung. Ein Farbtupfer hier, eine Paillette da, und schon sind auch die Armeenachrichten für einen Moment vergessen.
So jung kommen wir nicht mehr zusammen. Also Prost, egal ob mit Bier, Tee, Champagner oder Wasser: Es gibt immer etwas zu feiern. Das macht das Leben schöner und die Welt ein ganz klein bisschen weniger grau.
