
Man kann nicht überall gewesen sein. Weitgereiste berichten, die Straßen in Kasachstan gehörten zum Katastrophalsten, was man als Autofahrer erleben könne. Niemand wird aus schierer Neugier eine solche Erfahrung suchen. In zwei oder drei Jahren wird eine Erkundungsreise ohnehin überflüssig sein: die deutschen Autobahnen werden dann jenen zu Testzwecken angelegten Marterstrecken ähneln, auf denen Achsen, Stoßdämpfer und Bereifung von Prototypen in wenigen Stunden einem Verschleiß ausgesetzt sind, die der normalen Lebensdauer eines Autos entspricht.
Teile der deutschen Autobahnen sind heute schon in einem unglaublich schlechten Zustand. Aus Schlaglöchern und aufgerissenen Fahrbahndecken werden Betonstücke herausgeschleudert, die wie Geschosse auf die Frontscheiben der Autos prallen. Das mag den Geschäften des ehrbaren Glasereigewerbes guttun, nicht aber der Sicherheit auf den Schnellstraßen. Das müssen auch die zuständigen Behörden erkannt haben: Sie richten aber keine Reparaturbaustellen ein, sondern ordnen – ausdrücklich mit der Begründung „Fahrbahnschäden“ – Tempobegrenzungen bis hinunter zu 60 Kilometer an. Ein Vorschlag zur Güte: Solange noch Geld für ein paar Schilder vorhanden ist, sollte man schon an den Autobahnauffahrten auf „Steinschlag“ hinweisen.
Hans D. Barbier hat diesen Unfug geschrieben, ein genialer Kopf kluger Gedanken zur sozialen Marktwirtschaft, unser ehemaliger Ressortleiter. Im März 1999, man sieht, von Autos und Infrastruktur hatte er keine Ahnung.
Die Gefahr ist längst gebannt, es werden keine Stücke mehr auf die Windschutzscheiben geschleudert, weil in den Löchern, die den Asphalt beherbergten, kein Asphalt mehr drin ist. Wir möchten an dieser Stelle eine Vermisstenanzeige aufgeben, gesucht wird unsere Vespa, die gestern auf dem Wege in die Stadt verschluckt worden ist. Die Reparaturbaustelle ist eingerichtet, jüngst wurde dort sogar ein Arbeiter gesichtet.
Ja, jedenfalls in Hessen geht es beispielhaft voran, die Landesregierung stellt 10 Milliarden Euro bereit. Mission schwarze Löcher statt schwarzer Kassen. Mit freundlicher Unterstützung vom Bund, Sondervermögen, nicht Schulden, worauf zu achten wäre. Womöglich wäre ertragreiche Freiheit die solidere Grundlage. Dafür müssten Anreize zum Arbeiten und Investieren geschaffen werden. Brauchen wir nicht. Der Staat nimmt und lenkt, das wirkt. Siehe Tankrabatt, schon kostet der Liter nur noch 2,05 Euro.
Ruhe bewahren, Herzinfarkte kann sich das Gesundheitswesen nicht leisten. Zum Glück winkt ab Donnerstag Erlösung. Ehrbares Kickereigewerbe. Einschlag statt Steinschlag, Flanke statt Tanke, Tor statt Teer. Endlich Fußball-WM. Darauf ein Anstoßgebet.
