
Zurück aus der Bretagne, wo wir uns im Sommerurlaub bei angenehmen 32 Grad vom hiesigen Glutofen erholt haben, blättern wir die Zeitungen der vergangenen Tage so durch und stellen fest, dass Deutschland doch einiges zu bieten hat. In Köln zum Beispiel lassen sich als 42 Jahre alter Mann aus Bosnien-Hercegovina 7500 Euro im Monat verdienen. Netto. Das sind, je nach Familienstand, 12.000 bis 14.000 Euro brutto, also etwas, mit dem man rumkommt, wenn man sich ein bisschen einschränkt. Na und, sagen Sie nun, der Kerl wird Fußballmanager beim Effzeh sein oder aus dem Silicon Valley geholt worden, um bei Ford die Bänder wieder zum Laufen zu bringen.
Wegen des Datenschutzes (wir mussten die Woche beim Zahnarzt drei Papiere unterschreiben, damit die Frau Doktor ihr bohrendes Geschäft dokumentieren darf) ist nicht arg viel über die berufliche Qualifikation bekannt, allerdings ist durch die ortsansässige Lügenpresse herausgedrungen, dass der werte Herr Dinge beherrscht, die nicht jeder beherrscht. Bandendiebstahl, Urkundenfälschung, Leistungserschleichung und Betrug, aktenkundig bei der nordrhein-westfälischen Polizei sind 147 Fälle. Sein Asylantrag wurde vom Bundesamt 2003 abgelehnt. Das sind gerade mal 23 Jahre, man versteht, dass das Kölner Ausländeramt nicht in Hektik übereilte Entscheidungen vollziehen möchte. Deshalb zahlt es an den Mann und seine acht Kinder monatlich 7500 Euro Sozialleistungen und bemüht sich um eine Bleibeperspektive.
Vielleicht könnte sich der eine oder andere Facharbeiter, dem nebenan bei Ford gerade die Arbeit ausgeht, beim Amt um solch eine Stelle bewerben. Wahrscheinlich ohne Aussicht auf Erfolg. Den meisten dürften leider 147 Vergehen im Lebenslauf fehlen. Andererseits: Werden Fortbildungen nicht gefördert?
Postkarte statt Porsche
An dieser Stelle steht die Frage über dem Schreibtisch, ob wir mit 43 Prozent AfD oder 43 Tagen Hitzewelle weitermachen. Noch im Posturlaubsmodus (apropos, wir haben eine Postkarte an die Kinder geschickt, das löst was aus in einem, ehrlich), nehmen wir das Wetter. Um das andere kümmern sich sicher professionelle Gerechtigkeitsgaranten wie unser Porsche-oder-Rolex-weg-Finanzminister Klingbeil.
Das Wetter also ist die Hölle, erste Reihe. Hört und liest man überall. Nur in einer kleinen Meldung nicht, die der Kumpel aus dem Norden schickt: „Im Jahr 2026 ist der Niederschlag in Hamburg deutlich höher als im langjährigen Mittel.“ Vom Freibad in unserem Dorf verlautet, es habe mehrfach wegen Überfüllung schließen müssen, die Stimmung auch in der Gemeindekasse sei bestens. Was denn nun? Es wird doch wohl nicht alles nur eine Frage der Perspektive sein?
