
Während draußen die Sonne scheint und Badenixen die Freibäder stürmen, tut sich in Redaktionen ein gähnend schwarzes Loch auf. Wenn alle in den Ferien sind, worüber dann berichten, fragen sich Edelfeder wie Reporter verzweifelt. Verlässlich liefert wenigstens die Tierwelt Neuigkeiten: Irgendwer büxt immer aus (Kuh Yvonne), verliebt sich (Schwänin Petra) oder verbreitet Panik (das Wildschwein, das auszog, eine Löwin zu sein). Nur in diesem Jahr ist sie verdächtig still. Deutschlands Medienwelt sucht verwirrt nach neuen Themen.
Wir beobachten einen neuen Sommertrend fürs Zeitungsloch: Langlebigkeit, besser bekannt als „Longevity“. Darunter fällt, was guttut (Zigaretten pfui, Gemüse hui) und was abgefahren klingt, Eiskabinen zum Beispiel. Der 190. Geburtstag ist gesichert. Für alle, die einfach nur in Ruhe leben wollen, ist dieser in etwa so attraktiv wie den Chef am FKK-Strand zu treffen. Der Fast-Sommerloch-Kandidat Timmy weiß aus dem Jenseits zu berichten: Helmut Schmidt geht es wunderbar, vielen Dank, der Tabak geht nicht aus.
Jens Spahn besucht den politischen Förderunterricht
Ein Methusalem der Politikwelt zu werden, dieses Ziel böte Stoff für eine Habilitation. Jens Spahn besucht bis dahin den politischen Förderunterricht. Nach vergangenen, überstandenen Wackelpartien war es ausgerechnet ein gemieteter Mutterbauch, der ihn sein Amt gekostet hat. Der Chor der Empörung von links und rechts ertönte, der Kanzler reagierte. Nun ebbt die Welle langsam ab, die gespitzten Stifte gleiten zurück ins Federmäppchen. Wir gratulieren dem frischgebackenen Vater. Und raten, mit dem Kapitel Glaubwürdigkeit zu starten.
Wer der Langlebigkeit frönen will, ist gut beraten, den Alkoholkonsum zu reduzieren. Die Generation Z raucht lieber Vapes oder trinkt Limos, die älteren Semester müssen sich dagegen aktiv in Verzicht üben. Ein Glück, dass die Deutsche Bahn allzeit ihren Kunden zur Seite steht. Von Herbst an will sie ein Alkoholverbot in den Bahnhöfen einführen.
Ein Junggesellenabschied ohne Schnaps? Ein Fußballfan ohne Bier am Bahnsteig? Schreck lass nach. Entwarnung: Die Gastronomie ist von dem Verbot ausgenommen. Wer sich also gepflegt einen reinstellen, Verzeihung, ein alkoholisches Genussgetränk genehmigen möchte, setze sich in den lokalen Kiosk. Im Bordbistro bietet die Bahn außerdem neue Weine an. Wir sagen: Prost! Auf das Sommerloch!
