
Strom und Wärme sollen fließen, wenn sich die Pläne des Entwicklers Argaman Group aus Frankfurt erfüllen: In einem Gewerbegebiet der Stadt im Main-Kinzig-Kreis will der Investor ein Kraftwerk mit einer Leistung von bis zu 276 Megawatt errichten. Gedacht ist die Anlage vor allem zur Versorgung eines Rechenzentrums, das die Argaman Group im nahen Birstein bauen will. Doch während es dort Vorbehalte gegen ein großes Kraftwerk gibt, hält es der parteilose Bürgermeister Schlüchterns, Matthias Möller, für eine große Chance für seine Stadt, wie aus einer Mitteilung der Kommune hervorgeht.
Nach diesen Angaben ist eine Anlage vorgesehen, die für den späteren Betrieb mit Wasserstoff ausgelegt ist. Anfangs allerdings solle sie mit Erdgas und Brennstoffzellen betrieben werden, von voraussichtlich 2034 an dann kohlendioxidneutral. Für Schlüchtern brächte das Kraftwerk zum einen „Gewerbesteuereinnahmen in signifikanter Höhe“, zum anderen profitiere die Stadt im Fall des Baus von preiswerter Fernwärme. Möller nennt eine Wärmeleistung von 50 Megawatt, damit könnten bis zu 10.000 Haushalte versorgt werden. Zudem könne das neue Kraftwerk das Stromnetz stabilisieren. Nächste Schritte seien nun die Zustimmung der politischen Gremien zu einer tiefergehenden Prüfung des Projekts, heißt es in der Mitteilung.
Für Birstein hat das Rechenzentrum Vorrang
Geplant wird das Kraftwerk von der Argaman Group, gebaut und betrieben werden soll es nach Angaben der Stadt von einem der großen deutschen Energieversorger. Genannt wird ein Investitionsvolumen von 750 Millionen Euro. In der Mitteilung der Stadt benennt David Roitman, Geschäftsführer der Argaman Group, den Vorteil des Standorts Schlüchtern: Dort kreuzten sich zwei große Gasleitungen, und es könnte Strom über ein Umspannwerk im Schlüchterner Stadtteil Elm auch ins Netz eingespeist werden. Perspektivisch werde eine eigene Wasserstoffpipeline den klimaneutralen Betrieb erlauben.
Wenn die Prüfung des Vorhabens durch die Stadt positiv ausfällt, dann könnte die Entscheidung darüber noch im vierten Quartal dieses Jahrs fallen. Bis dahin aber will Möller die Bürger umfassend informieren. Fragen unter anderem zum Lärm- und Emissionsschutz wolle man wie auch Themen des Natur- und Umweltschutzes offen besprechen und sorgfältig untersuchen. Daher plant Möller mehrere Informationsveranstaltungen, die erste soll schon Anfang September sein.
Laut Stadt könnten die auf zwei Jahre geschätzten Bauarbeiten Anfang 2028 beginnen. Bis dahin wäre dann ein mächtiges Bauwerk ins Gewerbegebiet gesetzt worden. Als Eckdaten nennt die Stadt eine Länge von 160 Metern, eine Breite von 90 Metern bei einer Höhe von 20 Metern des Werks und 60 Metern seiner Schornsteine.
Unterdessen haben Möller und der Birsteiner Bürgermeister Fabian Fehl (SPD) eine Zusammenarbeit der beiden Kommunen angekündigt. Dass sich Schlüchtern als besserer Standort für das Kraftwerk herauskristallisiert habe, „nehmen wir hier in Birstein zur Kenntnis“. Zwar entgingen der Gemeinde Arbeitsplätze und Gewerbesteuern, allerdings sei der Austausch fair gewesen. Schlüchtern habe mit der vorhandenen Infrastruktur die Argumente für das Kraftwerk auf seiner Seite.
Dagegen biete Birstein mit Windparks und der elf Hektar großen Gewerbefläche gute Möglichkeiten für den Standort des Rechenzentrums. Im Ergebnis profitierten beide Kommunen von dem Projekt. Birstein gehe es in erster Linie um den Bau des Rechenzentrums. Von daher sei man zufrieden, wenn durch die Zusammenarbeit mit Schlüchtern eine gute Lösung für alle Beteiligten gefunden werde.
