
Die Schauspielerin Angelica Domröse ist tot, das hat die DEFA-Stiftung dem rbb am Freitag bestätigt. Zuerst hatte die „Super Illu“ berichtet. Vor wenigen Wochen war sie 85 Jahre alt geworden. Am bekanntesten blieb Domröse für ihre ikonische Rolle in Heiner Caros Film „Die Legende von Paul und Paula“ von 1973.
In dem DEFA-Film spielte sie an der Seite von Winfried Glatzeder eine unangepasste, alleinerziehende junge Mutter von zwei Kindern, die mit ihrer Liebe zu einem verheirateten Staatsdiener gegen gesellschaftliche Normen und Anpassungsideologien aufbegehrt. Kritiker lobten an dem Film, dass die realistische Schilderung des DDR-Alltags um eine poetische Dimension erweitert werde.
Sie arbeitete überwiegend am Schiller Theater
Da hatte sie schon mehrere Jahre dem Berliner Ensemble angehört – Helene Weigel höchstselbst hatte ihr seinerzeit ein Telegramm mit der Aufforderung zum Vorsprechen geschickt –, später wechselte sie zur Volksbühne. Bekannt war Domröse dabei vor allem durch ihre Film- und Fernseharbeit: Allein dreimal wurde sie in den 1970er-Jahren als DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres ausgezeichnet. Bis zu ihrer Ausreise in den Westen spielte sie in mehr als 50 Filmen mit.
1976 unterzeichnete sie die Protestresolution gegen Wolf Biermanns Ausbürgerung aus der DDR, in den folgenden Jahren wurde sie in ihrer Arbeit zunehmend behindert. 1980 übersiedelte sie mit ihrem Ehemann Hilmar Thate in die Bundesrepublik, wo sie an ihren Erfolg in der DDR anknüpfen konnte.
Sie arbeitete überwiegend am Schiller Theater in Berlin und stand für viele Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera, zum Beispiel Frank Beyers „Die zweite Haut“ (1981) und Heiner Carows DDR-Abschiedsfilm „Verfehlung“ (1991). Im Fernsehen übernahm sie zudem vier Jahre lang die Rolle der Kommissarin Vera Bilewski im „Polizeiruf 110“ und gehörte damit zu den wenigen DDR-Schauspielern, die auch nach ihrer Übersiedlung in den Westen dauerhaft erfolgreich blieben.
2016 verlor sie ihren Ehemann
Dies sollte für lange Zeit ihre letzte Kinorolle sein; ab den Neunzigerjahren konzentrierte sie sich auf das Theater und führte dort auch selbst Regie. 2008 kam das einstige DEFA-Traumpaar Domröse und Glatzeder in einem Stück am Potsdamer Hans-Otto-Theater noch einmal zusammen. In ihren 2003 veröffentlichten Erinnerungen sprach sie offen über ihre langjährige Alkoholsucht, die sie schließlich überwunden hatte.
2012 war sie noch einmal auf der Leinwand zu sehen, in der Seniorenkomödie „Bis zum Horizont, dann links!“. Danach wurde es still um die Schauspielerin, die 2016 auch ihren Ehemann Hilmar Thate verlor.
