Ärztevertreter in Sachsen-Anhalt haben sich für die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften ausgesprochen und sich damit gegen die Pläne der AfD gestellt. «In vielen Regionen des Landes – insbesondere auch im ländlichen Raum – wäre eine flächendeckende Versorgung ohne ausländische Kolleginnen und Kollegen nicht mehr sicherzustellen», teilten die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung mit.
Man nehme Aussagen, die sich gegen eine Tätigkeit ausländischer Fachkräfte richteten, «mit großer Sorge zur Kenntnis», hieß es. Die medizinische Versorgung dürfe nicht durch restriktive oder abschreckende Maßnahmen gefährdet werden.
AfD will keine «kulturfremden Fachkräfte»
In ihrem Wahlprogramm hat die AfD angekündigt, eine aus ihrer Sicht herrschende «Willkommenspropaganda» beenden zu wollen. «Die Anwerbung kulturfremder Fachkräfte zur Lösung von Engpässen auf dem Arbeitsmarkt führt zu unerwünschten Folgeproblemen», heißt es dort. Die Menschen würden häufig kein ausreichendes Deutsch sprechen. «Ihre Ausbildung entspricht oftmals nicht den deutschen Standards. In Branchen wie dem Gesundheits- und Pflegesektor wird dadurch das Wohl der Patienten gefährdet.»
Die Ärztevertreter weisen darauf hin, dass die medizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt schon jetzt in hohem Maße von qualifizierten Ärztinnen, Ärzten und anderen Gesundheitsfachkräften aus dem Ausland abhängt. Der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte liege bei 18,55 Prozent. «Sie tragen maßgeblich dazu bei, Praxen offenzuhalten, Klinikstandorte zu stabilisieren und Wartezeiten für Patientinnen und Patienten zu begrenzen.»
«Aussagen, die die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte pauschal infrage stellen oder erheblich einschränken wollen, stehen im klaren Widerspruch zur Realität der Versorgungssituation in Sachsen-Anhalt», so die beiden Körperschaften. Die Sicherstellung der Versorgung sei ohne internationale Fachkräfte nicht erfüllbar. Man spreche sich klar für ein Arbeitsumfeld aus, das qualifizierte Fachkräfte – unabhängig von Herkunft oder Nationalität – willkommen heiße. «Dazu gehören transparente Anerkennungsverfahren, integrationsfreundliche Rahmenbedingungen und ein gesellschaftliches Klima, das Respekt und Wertschätzung vermittelt.»
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