Der Thüringer Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer hat vor russischen Angriffen auf Manger der deutschen Rüstungsbranche gewarnt. »Gefährdet sind Führungskräfte der Rüstungsindustrie«, sagte er dem Handelsblatt. Dies stelle eine neue Eskalationsstufe dar. Vor wenigen Tagen hatte Russland eine Liste mit zahlreichen europäischen Unternehmen veröffentlicht, welche die Ukraine mit Produkten unterstützten. Auf der Liste standen auch deutsche Firmen.
Laut Kramer müssten die russischen Drohungen ernstgenommen werden. Als Beleg nannte er den im Jahr 2024 vereitelten geplanten Anschlag auf den Vorstandschef von Rheinmetall, Armin Papperger. Besonders bedroht seien Unternehmen, die in die ukrainischen Lieferketten eingebunden sind – etwa bei der Produktion von Drohnen und Munition.
Kramer glaubt nicht an bloße Rhetorik
Wenn der Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, die veröffentlichten Adressen von Fabriken als potenzielle Ziele bezeichnet, sei dies keine bloße symbolische Rhetorik, sagte Kramer. Er interpretiert das russische Vorgehen als gezielte Operationsvorbereitung.
Medwedew sei bekannt für seine drastischen Drohungen. In den vergangenen Jahren drohte er unter anderem immer wieder, dass die russischen Streitkräfte Atombomben auf europäische Großstädte abfeuern könnten. Zudem hielt er eine Entführung von Kanzler Friedrich Merz für denkbar. Diese Rhetorik entspricht laut westlichen Expertinnen und Experten russischer Propaganda und soll unter anderem in Europa Angst machen.
Zudem ist die Nennung deutscher Firmennamen laut Kramer Teil einer hybriden Einschüchterungsstrategie und psychologischer Kriegsführung. Es entstünden mögliche Ansatzpunkte für Spionage, Cyberangriffe und Sabotage. Da die Hemmschwelle russischer Akteure in Europa gesunken sei, müsse von einer erhöhten Gefährdung der betroffenen Unternehmen ausgegangen werden, sagte Kramer.
Auf der russischen Liste stehen 21 Unternehmen, drei haben ihren Sitz laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau in Deutschland: die DaVinci Avia GmbH und das ukrainische Rüstungsunternehmen Airlogix im Raum München sowie der Motorenhersteller 3W Professional im hessischen Hanau.
