Dirk Roßmann wird am Montag 80 Jahre alt – doch sein Drang, auf Bäume zu klettern, ist noch nicht verschwunden. «Aber mit fast achtzig sollte man vielleicht vorher prüfen, ob der Baum stabil genug ist – und ob unten jemand mit einer Leiter wartet», sagte der Gründer der Drogeriekette Rossmann der «Neuen Presse». Ob er den Aufstieg tatsächlich wage, müsse er allerdings erst mit seiner Frau verhandeln.
Mit 20 oder 30, sagte Roßmann, sei die 80 «ungefähr so weit weg wie der Mond» gewesen. Alte Menschen hätten für ihn damals zu einer anderen Welt gehört. Heute erlebe er das anders: Im Inneren bleibe vieles erstaunlich gleich. «Die Neugier ist noch da, die Freude an Menschen, Büchern, Gesprächen und verrückten Ideen auch», meint der Milliardär aus Hannover. «Nur der Körper erinnert einen etwas nachdrücklicher daran, dass die Zeit nicht stehen bleibt.»
Roßmann trägt seinem jüngeren Ich nichts nach
Roßmann lässt es inzwischen gern etwas ruhiger angehen. «Muße entsteht für mich, sobald keine Uhr drängt», sagte der Jubilar. Mit seiner Frau verbringe er manche Wochenenden mit einem Stapel Zeitungen und Bücher. «Ich genieße es auch, einfach nur zu beobachten: in einem Café, auf Reisen oder bei einem Spaziergang. Es passiert erstaunlich viel, sobald man nicht ständig irgendwohin muss.»
Seinem jüngeren Ich trägt Roßmann nichts nach. Natürlich habe er sich verzettelt und sich an Dingen abgearbeitet, die sich später als weniger wichtig herausstellten, sagte der Drogeriemarkt-Gründer. «Aber ich möchte mein Leben nicht im Rückspiegel bewerten.» Auch Umwege, Krisen und vermeintlich verlorene Zeit hätten ihn etwas gelehrt. «Entscheidend ist für mich heute: Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem wichtig sind, und sich nicht dauernd auf ein besseres Morgen vertrösten», meint Roßmann. «Das Leben findet jetzt statt.»
© dpa-infocom, dpa:260905-930-639361/1
