Er sitzt im Cockpit eines Kampfjets. Helm und Sauerstoffmaske schließen das Gesicht des Mannes ein, der Bulgariens nächster Ministerpräsident wird. Nur seine Augen sind frei. Konzentriert blickt er auf die Startbahn. »Ich steige auf«, sagt er in den rauschenden Funk. Unter ihm wird die Rollbahn kleiner. Das Flugzeug habe »eine unglaubliche Kraft«, sagt er; und es klingt, als spreche er dabei auch über sich selbst. »Einzigartig!«
Der Wahlkampfclip aus dem sowjetischen Kampfflugzeug zeigt Rumen Radew. Vor der Parlamentswahl in Bulgarien inszenierte sich der 62-Jährige als entschlossener Ex-Militär. Als einer, der in Sekunden lebenswichtige Entscheidungen fällt. Er traf damit einen Nerv. Nach acht Parlamentswahlen in nur fünf Jahren, nach zerfallenden Regierungen und Korruptionsskandalen sehnten sich viele Bulgaren – gerade auch junge – nach Wandel. In Radew fanden sie genau das: einen starken Mann, der Ordnung verspricht.
