Eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat Luftangriffe auf Ziele im
Jemen geflogen, um einen Angriff auf ein Schiff im Roten Meer zu vergelten. Die Militärkoalition macht die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz verantwortlich für die Attacke auf das unter saudi-arabischer Flagge
fahrende Schiff und wirft ihr »maritimen Terrorismus« vor.
Die Luftangriffe in der jemenitischen Provinz Hudaida hätten auf Stellungen der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz gezielt. Von diesen Stellungen aus hätten die Huthi die kommerzielle Schifffahrt im Roten Meer gefährdet, schrieb Koalitionssprecher Turki al-Maliki auf der Plattform X. Die inzwischen abgeschlossene Militäraktion sei verhältnismäßig gewesen
und habe die Einsatzziele erreicht. Der Hafen von Hudaida sei nicht
angegriffen worden.
Der den Huthis nahestehende
Fernsehsender Al Masirah berichtet hingegen, saudische Angriffe
hätten Einrichtungen der staatlichen
Telekommunikationsgesellschaft in der Stadt Hudaida getroffen.
Dem Sender zufolge griffen saudische Streitkräfte zudem die
Insel Kamaran vor der jemenitischen Westküste an. Andere Berichte sprachen auch von Angriffen auf den Hafen. Der Huthi-nahe TV-Sender bezeichnete die Angriffe als »saudi-arabische Aggression«.
Auslöser war ein neuer Angriff auf ein Schiff
Zuvor war es im Roten Meer erneut zu einem Angriff auf ein unter saudi-arabischer Flagge fahrendes Schiff gekommen. Dabei sei der Rumpf der NCC Masa leicht beschädigt worden, berichtete
die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf
eine Quelle in der Verkehrsbehörde. Bislang hat sich niemand zu dem Angriff bekannt. Die Huthi-Miliz hatte aber bereits diese Woche mehrere saudi-arabische Öltanker im Roten Meer angegriffen.
Der Konflikt zwischen den iran-nahen Huthi und dem benachbarten Königreich Saudi-Arabien spitzt sich seit Tagen weiter zu. Am Montag hatte die Miliz eine »Blockade« für
saudi-arabische Schiffe angekündigt – rund eine Woche nach einer neuen
Konfrontation mit der Regionalmacht, mit der die Miliz im
Jemen seit mehr als zehn Jahren Krieg führt. Für Saudi-Arabien gelte ab
sofort ein »Verbot der Schifffahrt«, hieß es.
Krise in Straße von Hormus lenkt mehr Schiffsverkehr ins Rote Meer
Der Schiffsverkehr im Roten Meer hat seit der Sperrung der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus zugenommen. Saudi-Arabien leitete seine Ölexporte durch die Meerenge Bab-al-Mandab vor der Westküste des Jemen um, die den südlichen Zugang zum Roten Meer bildet. Sie ist ein Nadelöhr für den globalen Schiffsverkehr und viele Öltanker.
Die Huthi-Miliz kontrolliert im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Von dort aus können ihre Mitglieder mit ihren Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern auch Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab angreifen.
US-Präsident Donald Trump hatte den Huthi und ihrem Verbündeten Iran
bereits am Donnerstag mit Vergeltung gedroht, sollten erneut Schiffe von
der Miliz angegriffen werden. »Sollten sie dies erneut tun, werden die
USA den Iran zur Rechenschaft ziehen, da die Huthi als Stellvertreter
des Irans agieren«, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.
Er kündigte »schwere militärische Strafen gegen den Iran und natürlich
auch gegen die Huthi selbst« an.
Die schiitischen Huthi-Islamisten hatten den Jemen, ein armes Land auf der Arabischen Halbinsel, im Jahr 2014 unter ihre Kontrolle gebracht und in einen Bürgerkrieg gestürzt. Saudi-Arabien
unterstützt in dem Bürgerkrieg die jemenitische Regierung, während die Huthi Hilfe des
Irans bekommen. 2022 trat in dem Konflikt eine Waffenruhe in Kraft,
kleinere Gefechte gibt es allerdings weiterhin.
