
Es gibt nur wenige Redewendungen in der deutschen Sprache, für die Lokaljournalisten von Flensburg bis ins Oberammergau so viel getan haben wie für jene, die parat liegt für Momente, in denen der Alltag Menschen aus dem Trott des Erwarteten reißt: Nicht schlecht staunte also Michél Kniat, Trainer und bis dato Retter des Deutschen Sportclubs Arminia Bielefeld, als ihm Schiedsrichter Tobias Stieler am Samstag nach Schluss der Partie gegen Bochum die Rote Karte zeigte.
Kniats Augen richteten sich nach oben, sahen die Karte, die Synapsen übertrugen das durch die Farbe gekennzeichnete Signal, und im Körper des Mannes, von dessen Vorstellung in Bielefeld 2023 das „Westfalen-Blatt“ berichtet hatte, dass er gerne Mitch genannt werden möchte, leider ohne zu erläutern, ob das mit dem von David Hasselhoff dargestellten Mitch Buchannon als Lebensretter am Strand von Malibu in „Baywatch“ zusammenhängt, breitete sich die Reaktion aus: Wirkungstreffer.
Er habe doch lediglich die Entscheidung Stielers, die letzte Aktion abzupfeifen, „geisteskrank“ genannt: „Es ist halt mein Umgangston.“ Nun leide er „brutal“. Nicht schlecht also darf angesichts so viel fragiler Männlichkeit staunen, wer nun erfährt, dass es Kniats erste Rote Karte als Trainer war.
