
Ellyes Skhiri war am Samstag der Letzte, der sich aus dem Eintracht-Tross den Fragen der Medienvertreter stellte. Aber der Defensivspieler war im Eingangsbereich vor der Kabine beileibe nicht der Erste, der nach Frankfurts 1:1 in Augsburg sagte: „Wir wollten mehr, drei Punkte.“ Der tunesische Nationalspieler schaute empört, als er anfangs gefragt wurde, ob er mit dem Remis zufrieden sei. Natürlich nicht.
Nur: Mit Worten streben die Hessen schon seit Wochen nach mehr Zählbarem. Die praktische Umsetzung auf dem Platz gelingt ihnen dann jedoch nicht wie gewünscht. Die Bilanz ist bescheiden: ein Sieg, zwei Remis und zwei Niederlagen – aus den zurückliegenden fünf Begegnungen sicherte sich die Eintracht lediglich fünf Punkte. Sie schaffte es mit Trainer Albert Riera bisher nicht, zwei Spiele hintereinander zu gewinnen.
So hinken die Frankfurter, die es zudem nicht hinbekommen, in 90 Spielminuten zwei gleich gute Halbzeiten abzuliefern, im Saisonendspurt weiter ihren Ansprüchen hinterher. Ihr Manko bleibt der Wankelmut. Unter dem Strich vermag die Eintracht ihre Defizite nicht abzustellen. Veränderungen können die Protagonisten nicht herbeireden. Der Kampf um einen internationalen Startplatz ist für die Frankfurter in der Crunchtime zum großen Zitterspiel geworden.
Eins steht nach 31 Spieltagen fest: Tabellensechster wird die Eintracht nicht mehr, Leverkusen ist für sie uneinholbar. Auch das ist eine bittere Erkenntnis eingedenk der eigenen Erwartungen. Es geht nur noch um Rang sieben, der auf jeden Fall die Teilnahme an der Conference League bedeuten würde. Hier befindet sich Rieras Mannschaft im spannenden Zweikampf mit dem SC Freiburg, der in einem Finale am letzten Spieltag münden könnte. Beide Teams haben noch zwei Heimspiele und ein Auswärtsspiel. Frankfurt trifft zu Hause auf den HSV und zum Abschluss auf den VfB Stuttgart, dazwischen liegt die Partie in Dortmund. Die Freiburger wiederum empfangen Wolfsburg und RB Leipzig; in der Fremde sind sie in Hamburg gefordert.
Ansgar Knauff: „Vielleicht ist Freiburg müder“
Was die Schwere des Programms betrifft, ist womöglich Freiburg ein bisschen im Vorteil. Doch könnte es auch ein Vorteil für Frankfurt sein, dass die Freiburger noch im Endspurt der Europa League mit lukrativen Aussichten beschäftigt sind? „Ich weiß es nicht“, sagte Eintracht-Offensivspieler Ansgar Knauff in Augsburg, bevor er doch noch eine Antwort gab, mit der er sich nicht festlegte: „Vielleicht ist Freiburg durch die Beanspruchung müder. Aber vielleicht nehmen sie aus dem Wettbewerb auch Schwung mit.“ Man wird also sehen. Am besten verlässt sich die Eintracht auf sich selbst.
Allerdings muss sie der Realität ins Auge schauen. Im Hinblick auf das bisherige Abschneiden wäre es eine große Überraschung, wenn die Frankfurter die verbleibenden drei Saisonspiele alle für sich entscheiden würden. Das wäre im Finish noch einmal ein großer Schritt in ihrer Entwicklung. Nicht minder großes Erstaunen würde es auslösen, wenn die Frankfurter auf einmal in einem Spiel zu einer guten Gesamtleistung ohne Wenn und Aber fähig wären. Stringenz im Auftreten ist bisher nicht ihre Stärke.
In Augsburg misslang der Eintracht die erste Halbzeit. Ein Grund dafür: Das Erstliga-Startelf-Debüt des erst 17 Jahre alten Love Arrhov als Linksaußen war keine gute Wahl Rieras. In einigen Spielsituationen war der Schwede überfordert. Auch Ayoube Amaimouni-Echghouyab verlor auf der anderen Seite zu viele Bälle, seine Schwächen beim Verteidigen sind bekannt. „Im Vergleich zu den vergangenen Spielen war es umgekehrt“, räumte Albert Riera ein. „Diesmal haben wir nicht gut begonnen und waren dann nach der Pause deutlich stärker.“
Die Einwechslungen von Ritsu Doan – der Japaner glich in der 66. Minute den Führungstreffer (45.) des Augsburgers Anton Kade aus – für Amaimouni-Echghouyab und Ansgar Knauff für Arrhov beflügelten auf den Außenbahnen das Frankfurter Spiel. „Wir haben eine Reaktion gezeigt und Tempo im Spiel gehabt“, sagte Knauff. Doch die Ziellinie überquerte die Eintracht – wie öfter in der Vergangenheit – wieder mit einem Gefühl der Enttäuschung. „Das 1:1 ist nicht genug“, übte Knauff Selbstkritik. „Wir sind mit dem klaren Ziel angetreten, hier zu gewinnen.“ Nur: Für ein Erfolgserlebnis fehlte den Hessen in Halbzeit eins die Entschlossenheit, konsequent ihr Vorhaben umsetzen zu wollen.
Bis zum letzten Spieltag am 16. Mai muss der umstrittene Albert Riera wohl noch Argumente für seine Weiterbeschäftigung in der kommenden Saison sammeln. Seit elf Spielen leitet der Spanier nun die Mannschaft an. Aber eine Stammelf hat der experimentierfreudige Fußballlehrer noch nicht auf die Beine gestellt. Auch in dieser Hinsicht versprechen die kommenden Wochen spannende Zeiten bei der Eintracht.
