Weder von den neuerlichen Hitzerekorden des Jahres – wie von 41,3 Grad in Bad Nauheim – noch von zahlreichen Absagen von Kultur- und Konzertveranstaltungen im übrigen Hessen ließen sich die Verantwortlichen des Rheingau Musik Festivals am Samstag verunsichern. Sie verließen sich darauf, dass die regelmäßigen Besucher des Sommerfestes auf Schloss Johannisberg Kummer gewöhnt und mit den Unwägbarkeiten des deutschen Sommers ihre Erfahrungen gemacht haben: Von brütender Hitze über beißende Kälte bis hin zu schweren Unwettern haben sie schon vieles erlebt. Unwetter mit Hagel hatte der Deutsche Wetterdienst noch zwei Tage zuvor mit düster klingenden Prognosen vorhergesagt.
Ein gravierender Irrtum, wie sich bei Temperaturen von rund 35 Grad im Cuvéehof des Schlosses herausstellte. Immerhin waren die Zuschauerränge für die mehr als 2000 Besucher des Sommerfestes rechtzeitig zum Konzertbeginn in Schatten getaucht. Kühl wurde es deshalb aber nicht. Mehr oder weniger elegante Strohhüte und zahlreiche Fächer zählten dieses Mal zum Modestandard der Festivalbesucher. Viele folgten auch dem Beispiel von Festival-Geschäftsführer Marsilius von Ingelheim, der zum flüsterleisen und deshalb konzerttauglichen Handventilator griff, um der Hitze Paroli zu bieten.

Festival-Intendant Michael Herrmann freute sich über „gut gefüllte“ Reihen, auch wenn hitzebedingte Lücken in den Stuhlreihen kaum zu übersehen waren. „Fächeln Sie im Takt“, bat Herrmann in sommerlich-launiger Stimmung. In Vertretung von Ministerpräsident Boris Rhein lobte auch Finanzminister Alexander Lorz (beide CDU) die Hitze-Resistenz des Publikums, zu dem sich der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch und Ex-Bundesminister Franz Josef Jung gesellt hatten. Dagegen habe er die Wiesbadener Innenstadt noch nie so verwaist erlebt, sagte der gut gelaunte Lorz.
Mit „Purple Rain“ von Prince klang ein Konzert aus, das den Besuchern auch wegen der Hitze-Umstände lange in Erinnerung bleiben dürfte. Bis zum prächtigen Feuerwerk im klaren Nachthimmel mochte nicht mehr jeder Besucher ausharren. Manche zog es in dieser gar nicht lauen, sondern heißen Sommernacht zu einer abkühlenden Dusche nach Hause.
