Basti Schneider, Sie veranstalten am Samstag mit der „Coppa del Frankfurt“ eine der größten Retro-Trikot-Messen des Landes. Woher kommt der Hype um die alten Shirts?
Das ist ein Spiel mit der Nostalgie. Viele verbinden mit den Trikots Erinnerungen an ihre Kindheit – an ihre Lieblingsspieler, große Turniere oder den ersten Stadionbesuch. Diese Emotionen machen den Reiz aus. Gleichzeitig gibt es noch eine zweite Facette.
Vintage-Trikots sind gerade auch in der Mode angekommen. Viele Musiker tragen sie in Musikvideos, Popstars zeigen sich mit alten Jerseys auf Instagram. Die Trikots sind längst nicht mehr nur Fußball-Merchandise, sondern auch ein echtes Modeaccessoire.
Welches Trikot ist für Sie das schönste?
Mein prägendstes Fußballereignis war die Weltmeisterschaft 1990. Es war die erste WM, die ich bewusst miterlebt habe. Deshalb bedeuten mir die Trikots aus dieser Zeit besonders viel. Als Frankfurter schlägt mein Herz aber auch für die legendären Eintracht-Trikots der Neunzigerjahre. Das waren die Jahre mit Okocha, Yeboah und Bein in den Tetra-Pak-Trikots. Jeder Fußballfan oder Trikotsammler schwärmt für eine andere Epoche, einen anderen Verein oder Spieler. Jeder hat eine andere Geschichte oder Erinnerung zu einem Trikot zu erzählen, und das ist das Schöne daran.

Heute verkauft die Eintracht Spieler für fast 100 Millionen Euro. Sind die alten Trikots eine Gegenbewegung zum modernen Fußball?
Ich denke schon. Der Profifußball ist heute deutlich kommerzieller als damals. Viele sehnen sich nach der Zeit zurück, in der sie den Fußball als etwas Unbeschwerteres erlebt haben. Die alten Trikots stehen genau für dieses Gefühl.
Auch der Hype um die alten Trikots wird kommerzialisiert. Viele der Jerseys sind sehr teuer geworden. In extra dafür eröffneten Läden in London oder Berlin kosten sie über 200 Euro. Ist das gerechtfertigt?
Das kommt ganz auf das Trikot an. Seltene Originale aus den Achtziger- oder Neunzigerjahren sind heute echte Sammlerstücke. Da bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Uns ist aber wichtig zu zeigen, dass Vintage-Trikots nicht nur Luxusobjekte sind. Bei uns wird es auch viele schöne Stücke zu fairen Preisen geben.

Sie versuchen mit der Veranstaltung, ein wenig vom alten Spiel zurückzubringen. Wie wird das konkret aussehen?
Es sind elf Trikothändler aus Deutschland und den Niederlanden vor Ort. Dazu kommt ein Sammler, der in der Flohmarktszene bekannt ist und Wimpel, Panini-Sticker und alte VHS-Kassetten anbietet. Mit „Okocha Records“ (Schneiders Musiklabel, d. Red.) bringen wir außerdem unsere eigenen Designs und Schallplatten mit Fußballbezug mit. Im Hintergrund laufen auf einer Leinwand alte Spiele und Dokumentationen, dazu legen DJs den ganzen Tag Schallplatten auf.
Mit wie vielen Gästen rechnen Sie?
Das ist schwer genau zu sagen, da es die erste Veranstaltung dieser Art in Frankfurt ist. Wir hoffen auf viele Fußballfans, Sammler und Fußballkultur-Interessierte. Wenn die Coppa del Frankfurt gut ankommt, können wir uns gut vorstellen, das Format zu wiederholen.
Wer wird sonst noch vor Ort sein?
Wir haben Künstler aus der Region eingeladen, die sich popkulturell mit Fußball beschäftigen. Moni Port zeigt ihre Illustrationen von Maradona, Pelé und Eintracht-Spielern. Philip Waechter präsentiert seine Karikaturen und Bücher. Außerdem kommt Dragoslav „Stepi“ Stepanović, der Eintracht-Trainer aus den Neunzigerjahren, vorbei und signiert alte Trikots.
Infos zur Trikotmesse
Die Veranstalter Okocha Records und Vintage Fussball Börse laden am Samstag, dem 4. Juli 2026, zur Trikotmesse „Coppa del Frankfurt“. Sie findet von 10 bis 17 Uhr im Naxos Atelier (Waldschmidtstraße 19) in Frankfurt-Bornheim statt. Tageskasse sechs Euro.
