
Neue Anschuldigungen gegen die CBS-News-Chefin Bari Weiss: Die ehemalige „60 Minutes“-Reporterin Cecilia Vega, die im Frühjahr entlassen wurde, behauptet, man habe von ihr verlangt, ihren Reportagen Falschinformationen und unbewiesene Behauptungen von Mitgliedern der Regierung Trump hinzuzufügen. Ihr sei zum Beispiel gesagt worden, sie solle bei der Berichterstattung über die tödlichen ICE-Einsätze in Minneapolis im Januar Aufnahmen ergänzen, die zeigten, wie Demonstranten ICE-Agenten attackierten. Außerdem sollte sie Ausschnitte einer Pressekonferenz einfügen, auf der der Bürgermeister der Stadt, Jacob Frey, die Polizei aufgefordert habe, gegen ICE-Agenten vorzugehen. Beides habe sie nicht finden können, sagte Vega: „Es ist schlicht nicht passiert.“
„Phrasen“ der Regierung
Bei einer Geschichte über Armutshilfen in West Virginia hätten die Senderchefs gefordert, den Vizepräsidenten J.D. Vance und seinen Bestseller „Hillbilly Elegy“ zu erwähnen. Und bei einem weiteren Stück über den Iran-krieg habe man von ihr verlangt, sie solle den Beitrag mit der Aussage einleiten, die Feuerkraft der USA und Israels übersteige die Irans bei weitem – laut Vega eine „Phrase“ der Regierung. Sie habe 25 Jahre Erfahrung mit Chefredakteuren im Nachrichtengeschäft. „Aber nie zuvor hatte ich den Eindruck, dass Änderungen oder Vorschläge auf Falschinformationen beruhten oder politischen Erwägungen entsprangen“, sagte Vega im Gespräch mit dem ABC-News-Journalisten John Quiñones bei der Jahreskonferenz der National Association of Hispanic Journalists. Keine der ihr abverlangten Änderungen wurden gesendet.
Ein Sprecher von CBS News wies die Vorwürfe zurück und sagte, sie entsprächen „nicht der Realität“. Was die Haltung des Senders gegenüber der US-Regierung angehe, solle man lieber auf die jüngste, kritische Berichterstattung über den Krieg gegen Iran schauen und die Kritik an Trumps Aussage, der Einsatz werde nur vier bis sechs Wochen dauern. CBS zählte außerdem zu den Sendern, die kürzlich Trumps Rede an die Nation, in der er abermals die Lüge von der gestohlenen Wahl 2020 verbreitete, nicht komplett, sondern in Ausschnitten und mit kritischer kommentierung zeigte. „Vieles von dem, was der Präsident zu diesem Thema gesagt hat, ist falsch“, sagte der Moderator Tony Dokoupil, „vor allem die Behauptung, er habe die Wahl 2020 gewonnen, obwohl er sie nicht gewann.“
Bereits vor einigen Wochen hatten die ebenfalls entlassenen „60 Minutes“-Mitarbeiter Scott Pelley und Sharyn Alfonsi ähnliche Vorwürfe wie Cecilia Vega erhoben. Pelley gab an, Weiss habe verlangt, die Demonstranten in Minneapolis „noch gewalttätiger“ darzustellen und zu bekräftigen, die von einem ICE-Beamten erschossene Renee Good habe ihren Wagen in Richtung des Beamten gelenkt, wie die Regierung behauptete – auch wenn Videos das in Zweifel stellten. Alfonsi hatte gesagt, dass Weiss ein Stück über Foltervorwürfe im salvadorianischen Hochsicherheitsgefängnis Cecot, in das Trumps Beamte rund 300 Migranten abgeschoben hatten, vorübergehend zurückzog, weil eine Regierungsstellungnahme fehlte – um die Alfonsi gebeten, diese aber nicht erhalten hatte. Weiss selbst hatte zu der Kritik gesagt: „Was hier als Einmischung der Redaktion bezeichnet wird, ist tatsächlich die Berufsbeschreibung eines Chefredakteurs.“
Die von den neuen CBS-Eignern Larry und David Ellison an die Spitze von CBS News berufene Weiss, frühere „New York Times“-Meinungsjournalistin und Gründerin der „Free Press“, hatte im Frühjahr die Redaktionschefs von „60 Minutes“ und mehrere Korrespondenten entlassen und stattdessen den Tech-Journalisten Nick Bilton an die Spitze der Sendung gestellt, der bislang keine TV-Erfahrung hatte.
