
Die Einkommen von Ruheständlern in Ost und West unterscheiden sich laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts nicht stark. Haushalte von Personen im Ruhestand ab 65 Jahren verfügten demnach im Osten zuletzt im Mittel über 2270 Euro im Monat. Entsprechende Haushalte im Westen hatten im Mittel 2350 Euro zur Verfügung. Diese bezogen dabei allerdings einen höheren Anteil ihrer Einnahmen aus Vermögen, etwa als Mieteinnahmen oder Kapitalerträge.
Grundlage der Daten ist eine Befragung im Rahmen des Mikrozensus, die für die europäische Statistik erhoben wird. Die betrachtete Gesamtgruppe besteht aus 10,5 Millionen Menschen im Westen und 3,1 Millionen im Osten. Sie umfasst sowohl Bezieher gesetzlicher Renten als auch Pensionäre.
Vier Prozent der Alterseinkommen sind Erträge aus Vermögen
Im bundesweiten Durchschnitt machten gesetzliche Renten, Betriebs-, Privatrenten sowie Beamtenpensionen 93 Prozent der Einkommen dieser Haushalte aus, wie die Behörde mitteilte. Weitere knapp vier Prozent stammten aus Vermögenseinnahmen. Zwei Prozent entfielen in der Durchschnittsbetrachtung auf Sozialtransfers wie die Grundsicherung im Alter; ein Prozent der Einkommen waren Verdienste aus Erwerbstätigkeit.
Im Osten machten Einnahmen aus Vermögen allerdings nur ein Prozent des gesamten Alterseinkommens aus. Auf Renten und Pensionen entfielen 96 Prozent. Im Hinblick auf Einkünfte aus Grundsicherung und aus Erwerbstätigkeit unterscheiden sich Ost und West hingegen kaum.
Die Zahlen stoßen auch deshalb auf Interesse, weil sich die Ministerpräsidenten im Osten im Streit über die geplante Rentenreform auf spezifische Belange der Rentner im Osten berufen. Sie erhoben Einwände gegen die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente für Versicherte mit 45 Beitragsjahren, weil Rentner im Osten kaum Betriebsrenten und Vermögenseinkünfte hätten. Zwar gibt die aktuelle Auswertung keine genaue Auskunft über Bezieher gesetzlicher Renten, da die betrachtete Gruppe auch Pensionäre umfasst. Doch offenbar gleichen höhere gesetzliche Renten im Osten die anderen Unterschiede zumindest teilweise aus.
Frauen im Osten haben oft deutlich mehr Rente als Frauen im Westen
Das liegt indes nicht allein an der als „Rente ab 63“ bekannt gewordenen Sonderregel für Versicherte mit 45 Beitragsjahren, wie Zahlen der Rentenversicherung zeigen: Versicherte mit 35 bis 45 Beitragsjahren haben im Osten mit 1323 Euro eine um 22 Euro höhere Durchschnittsrente als im Westen. Vor allem sind in dieser Gruppe Frauen im Osten klar im Vorteil. Ihre Renten sind im Durchschnitt um 222 Euro höher als die von Frauen mit entsprechender Beitragszeit im Westen.
Dies mindert auch das statistische Armutsrisiko. Denn das ist für Ruheständler im Osten mit 18,5 Prozent geringer als im Westen (19 Prozent). In der Erwerbsbevölkerung sind die Verhältnisse umgekehrt: Die über alle Altersgruppen hinweg gemessene Armutsrisikoquote ist im Osten höher als im Westen. Die Quote gibt an, welcher Anteil der Personen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in der betrachteten Gruppe zur Verfügung hat. Als Maßstab dient das für Gesamtdeutschland berechnete mittlere Einkommen.
