
Es ist eine schwere Schlappe für Elon Musk, und sie kommt nicht überraschend: In seinem öffentlichkeitswirksamen Rechtsstreit gegen Open AI entschieden die Geschworenen eines Gerichts in Kalifornien gegen ihn. Zu diesem Urteil kamen sie nach ungewöhnlich kurzer Beratungszeit. Sie erklärten Musks Anschuldigungen für verjährt und ließen seine Klage damit schon an der ersten – und eher technischen – Hürde scheitern.
Es ist allerdings auch schwer vorstellbar, dass sie sich inhaltlich auf Musks Seite geschlagen hätten. Sein Auftritt in dem Prozess war wenig glaubwürdig. Er beschrieb sich als „Narr“, weil er seinen einstigen Mitgründern von Open AI wie dem heutigen Vorstandschef Sam Altman finanzielle Anschubhilfe gegeben habe, nur um dann von ihnen übertölpelt zu werden. Ungeachtet seiner eigenen Position als mit Abstand reichster Person der Welt argumentierte er, seine Widersacher handelten aus Geldgier, während es ihm selbst bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz um das Wohl der Menschheit gehe. Musk sprach zudem nicht aus einer neutralen Warte, er kultiviert seit Jahren eine erbitterte Rivalität mit Open AI und hat ein Konkurrenzunternehmen gegründet.
Open AI kann nach dem Urteil aufatmen. Der Prozess war eine unwillkommene Ablenkung in einer Zeit, in der das Unternehmen genug andere Sorgen hat. Nachdem es mit ChatGPT lange als das Maß aller Dinge im Geschäft mit KI-Modellen galt, sieht es sich immer stärkerem Wettbewerb gegenüber, ob von großen Techkonzernen wie Google oder anderen KI-Spezialisten wie Anthropic. Open AI bereitet gerade seinen Börsengang vor und steht daher unter gewaltigem Druck, sich als Unternehmen mit ungebremster Wachstumsdynamik präsentieren zu können.
Aber auch wenn Open AI jetzt jubeln kann: Der Prozess in Kalifornien ließ niemanden der Beteiligten gut aussehen. Sam Altman wurde von mehreren Zeugen, die früher eng mit ihm zusammengearbeitet haben und ihn somit sehr gut kennen, als jemand beschrieben, der es mit der Wahrheit nicht sonderlich genau nimmt und dem man nicht vertrauen kann. Damit verfestigt sich ein Eindruck, der schon 2023 entstand, als Altman kurzzeitig als Vorstandschef entlassen wurde. Altman muss nun fürchten, dass der Prozess eine weitere Episode ist, die an ihm haften bleiben wird. Allein das ist aus Sicht von Musk ein Erfolg.
