Der bosnisch-serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladić wird nicht aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus der Haft entlassen. Ein Eilantrag seines Anwalts wurde vom Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMTC) in Den Haag abgelehnt. Das bestätigte sein Sohn Darko Mladić. Die Behörde teilte mit, dass die medizinische Versorgung von Mladić im Gefängnis in Den Haag ausreichend gesichert sei.
Sein Anwalt hatte zuvor gefordert, ihn nach Serbien zu bringen, um dort behandelt zu werden. Er argumentierte, dass sich sein Gesundheitszustand stark und dauerhaft verschlechtert habe und er sich wahrscheinlich am Lebensende befinde.
Mladić verbüßt im UN-Gefängnis in Den Haag eine lebenslange Haftstrafe. Er wurde 2011 in Serbien festgenommen, nachdem er 16 Jahre lang auf der Flucht war.
2017 wurde er wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Mladić selbst hatte immer wieder angegeben, unschuldig zu sein. Seine Anwälte hatten auf Freispruch in allen Punkten oder höchstens 15 Jahre Haft plädiert. Das Urteil wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt.
Massaker von Srebrenica
Während des Balkankriegs von 1992 bis 1995 waren etwa 100.000 Menschen getötet und zwei Millionen vertrieben worden. Mladić war zu der Zeit Oberkommandant der bosnischen Serben. Ihm wurden schwere Verbrechen zur Last gelegt, darunter Mord, Vertreibung und Folter. Besonders im Fokus stand die mehrjährige Belagerung von Sarajevo, bei der rund 10.000 Menschen starben. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Mladić diese Belagerung maßgeblich leitete.
Zu den elf Anklagepunkten gegen Mladić zählte zudem das Massaker von Srebrenica, das als Völkermord eingestuft wurde. Auch dafür machten die Richter Mladić verantwortlich. Serbische Einheiten hatten 1995 die damalige UN-Schutzzone Srebrenica überrannt und rund 8.000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Dieses Verbrechen gilt als eines der schlimmsten in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
