An einer evangelischen Schule im Berliner Stadtteil Spandau
haben sich am vergangenen Donnerstag sieben Kinder verletzt, nachdem Unbekannte
rassistische Aufkleber angebracht und ein Klettergerüst mit aufgebogenen
Tackernadeln präpariert hatten. Wie die Schulleitung mitteilte, erlitten die Schülerinnen
und Schüler im Alter von acht und neun Jahren Hautabschürfungen. Eine
medizinische Versorgung war laut Polizei nicht erforderlich.
An dem Klettergerüst sowie an weiteren Stellen auf dem
Schulgelände fanden sich laut Schulleiter Paul Gohlke zudem mehrere Aufkleber
mit einer rassistischen Parole, die der Hausmeister entfernt habe. Die Polizei leitete
ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. Zu
Tatverdächtigen und ihrem Motiv machte sie bislang keine Angaben.
Die betroffenen Kinder seien von Schulsozialarbeiterinnen
und -arbeitern sowie einem Seelsorger altersgerecht betreut worden, sagte eine Sprecherin
der ZEIT. Schulleiter Gohlke zeigte sich »erschüttert über diesen Angriff
auf einen Ort, an dem Kinder sicher spielen, lernen und miteinander leben
sollen.« An der Schule gebe es keinen Platz für »rassistische Botschaften,
Einschüchterung und jede Form von Gewalt.«
Die Schule hat
nach Angaben der Pressesprecherin eine diverse Schülerschaft. Das Schulgelände sei
ohne äußere Barrieren frei zugänglich und werde von Schülern sämtlicher
Klassenstufen gemeinsam genutzt. Die Schule prüfe nun unter anderem die Installation eines Kamerasystems, Schulleiter Gohlke kündigte zudem eine
Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Demokratie Spandau an.
Bundesweit mehr als 42.000 rechte Straftaten
Der Vorfall fügt sich
in ein bundesweit alarmierendes Lagebild ein. Für das Jahr 2025 verzeichnete
Deutschland laut Bundesinnenministerium insgesamt 42.544 politisch rechts
motivierte Straftaten – darunter Propagandadelikte, Sachbeschädigungen,
Bedrohungen und Gewalttaten. Der bundesweite Wert liegt bei 51 Straftaten pro
100.000 Einwohnern. Berlin gehört zu den Stadtstaaten mit einem
überdurchschnittlichen Wert: Die Hauptstadt kommt auf 82 Fälle pro 100.000
Einwohner und verzeichnete damit gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg. Auch bei
rechten Gewalttaten liegt Berlin mit vier Fällen pro 100.000 Einwohnern über dem
Bundesschnitt von zwei. Im
vergangenen Jahr hat die Polizei in Deutschland zudem so
viele rechts motivierte Gewalttaten registriert,
wie seit 2016 nicht mehr. Nach Angaben der Bundesregierung haben die
Bundesländer dem Bundeskriminalamt für 2025 insgesamt 1.598 solcher Taten
gemeldet. In den meisten Fällen handelte es sich um Körperverletzung oder
gefährliche Körperverletzung.
Am
Mittwochvormittag gingen Hunderte Ermittler mit einer bundesweiten Razzia gegen junge mutmaßliche
Rechtsextremisten vor, darunter auch in Berlin und Brandenburg. Im Fokus stehen
die Gruppierungen »Jung und Stark« sowie »Deutsche Jugend Voran«. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, wurden rund 50 Objekte in
zwölf Bundesländern durchsucht. Dafür seien mehr als 600 Polizeikräfte des
Bundes und der beteiligten Bundesländer im Einsatz.
