
Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt: Dieser Satz wurde Rolf Rüssmann zugeschrieben, in der Fußballbundesliga einst ein Verteidiger von altem Schrot und Korn. Die gleiche Geisteshaltung, nur ohne Selbstironie, hat jetzt Kai Wegner offenbart.
Berlins abgewählter Regierender Bürgermeister hat kurz vor der Entscheidung darüber, welche Stadt für Deutschland ins Rennen um eine Austragung der Olympischen Spiele gehen darf, die Bewerbung der Hauptstadt zurückgezogen. Der CDU-Politiker machte dafür die Wahlsieger von der Linkspartei verantwortlich, die sich gegen Olympia in Berlin positioniert haben.
Es stimmt: Die politische Rückendeckung fehlt
Sportsfreund Wegner war es, der die Wahl für die CDU versemmelt hat, auch wenn er selbst wegen seiner Tennis- und Lügenaffäre gar nicht mehr angetreten war. Wer ihn am Wahlabend gehört hat, an dem ihm partout keine eigenen Fehler einfallen wollten, konnte nur zu dem Schluss kommen, dass es richtig war, ihn abzulösen, nur eben etwas zu spät.
Aber wo er recht hat, hat er recht: Die Berliner Olympiabewerbung hatte gegen die aus München und Köln einen schweren Stand. Das lag wesentlich an der fehlenden politischen Rückendeckung in der Stadt, belegt durch das Wahlergebnis; schließlich zählen auch die Grünen zur Fraktion „Nolympia“.
Es stimmt auch: Chance vertan
Ebenfalls trifft zu, dass damit eine Riesenchance vertan wurde. Man kann über korrupte Sportverbände und ökologische Probleme räsonieren. Aber Paris und London zeigten, dass eine europäische Metropole ihre Strahlkraft mit gelungenen Spielen verstärken kann. Peking und Sotschi zeigten andererseits, dass nichts damit gewonnen ist, wenn man sie Despoten überlässt.
Bemerkenswert ist der Zug Wegners trotzdem. Denn es ist ja noch gar nicht klar, dass die Linkspartei die künftige Berliner Landesregierung anführen wird. Die CDU bemüht sich um Grüne und SPD, und die Verstrickungen der Linkspartei lassen das nicht unmöglich erscheinen. Sollte es sich um eine Morgengabe an die Grünen handeln? Dann ist die Frage, ob die solche taktischen Spielchen goutieren.
