Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 35/2026.
DIE ZEIT: Herr Barlow, wenn ein Patient mit Angstproblemen heute zu Ihnen käme – welche Behandlung würden Sie empfehlen?
David Barlow: Jeder Patient ist natürlich anders. Aber wir schauen zunehmend auf grundlegende Prozesse, die allen Menschen mit Angststörungen und verwandten emotionalen Störungen gemeinsam sind – auch wenn sie sehr unterschiedliche Symptome zeigen. Manche Menschen haben unkontrollierbare Panikattacken, die ihr Leben massiv beeinträchtigen. Andere leiden unter quälenden Zwangsgedanken wie der Vorstellung, sie könnten ihre Kinder töten, obwohl sie wunderbare Eltern sind. Wieder andere sind so schüchtern, dass sie in Gruppen den Mund nicht aufbekommen, aus Angst, es könnte ihnen etwas Peinliches herausrutschen. Obwohl diese Probleme sehr unterschiedlich erscheinen, liegen ihnen allen sehr ähnliche Dynamiken zugrunde. Das gilt auch für Depressionen. Deshalb können wir Menschen mit diesen verschiedenen Störungen ähnlich therapieren.
