
Ein Fahrraddieb hat bei Alessio keine Chance. Auch kein Geldfälscher. Und erst recht kein Einbrecher. Denn der neun Jahre alte Schüler weiß genau, wie man sie überführt. Und wenn er eines Tages die Schule beendet hat, will er „das beruflich machen“, wie er sagt. Verbrecher überführen, Fälle aufklären. Und noch überzeugter fügt er hinzu: „Menschen helfen, die Hilfe brauchen. Das haben wir hier gelernt.“
Mit „hier“, damit ist keine Schule gemeint. Kein Verein. Sondern das Frankfurter Polizeipräsidium. Etwa ein halbes Jahr lang hat Alessio zusammen mit 23 anderen Drittklässlern an einem Pilotprojekt teilgenommen, das die Frankfurter Polizei unter dem Namen „Kinder Cops“ ins Leben gerufen hat. In Deutschland ist das Projekt einmalig. Das Ziel ist, Kinder spielerisch an die Polizei heranzuführen und das Vertrauen in die Institution zu stärken.
„Das ist Nachwuchsgewinnung im besten Sinn“, sagt der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller. Die Idee für das Projekt sei ihm vor etwa zwei Jahren gekommen, nach dem Tag der offenen Tür im Polizeipräsidium, das die Behörde damals als „Kinderfest“ angelegt hat. Müller hatte sich gefragt: „Wie bindet man Kinder in einer frühen Phase an die Polizei und nimmt ihnen Berührungsängste?“ Kinder seien neugierig, sagt Müller. „Sie möchten genau wissen, wie die Arbeit der Polizei funktioniert.“
Bei der Polizei gebe es keine eigene Organisation für Kinder wie im Brandschutz mit der Jugendfeuerwehr. Dabei seien Kinder ein wichtiger Teil der Gesellschaft. „Gerade in Zeiten, in denen es die Polizei immer stärker mit fehlendem Respekt zu tun hat, ist es entscheidend, dass wir unsere Arbeit denen erklären, die die Zukunft sind.“
Projekt „Kinder Cops“ wird ausgeweitet
Aus diesem Grund wird das Projekt nun, nach Ende des Pilotprojekts, ausgeweitet auf das gesamte Stadtgebiet. Im kommenden Schuljahr werden das 3. Polizeirevier für die Innenstadt, das 5. Polizeirevier für den Frankfurter Osten, das 14. Polizeirevier für den Norden sowie das 17. Polizeirevier für den Westen der Stadt am Programm teilnehmen.
Die Kinder müssen sich, wie auch schon beim Pilotprojekt, mit einem Bild und einem Anschreiben bewerben, in dem sie erklären sollen, wie sie sich die Arbeit von Ermittlern und Streifenbeamten und speziell einen „Kinder Cop“ vorstellen. Wer aufgenommen wird, der lernt, wie ein Notruf funktioniert, mit welcher Ausstattung die Polizei arbeitet, wie Fingerabdrücke und DNA gesichert werden und wie man ein Phantombild erstellt.
Die acht Jahre alte Elisabeth hat das im ersten Anlauf geschafft. Auch sie gehört zum ersten Jahrgang der „Kinder Cops“ und hat am Samstag im Polizeipräsidium feierlich eine Urkunde erhalten. Der Kontakt zur Polizei bleibt bestehen. Die Seminarleiter bleiben auch über das Projekt hinaus Ansprechpartner. Will sie nun Polizistin werden? Elisabeth zögert nicht lange. „Auf jeden Fall.“ Am besten fand sie die Bargeld-Spürhunde, wie sie sagt. „Die haben alles gefunden.“ Vorstellen könne sie sich aber vor allem die Arbeit in einem Kommissariat. „Fälle klären, das wäre toll“, sagt sie.
Was hat sie für ein Bild gemalt, als sie sich für das Projekt beworben hat? „Wir sollten ja malen, wie wir uns einen Kinder Cop vorstellen“, sagt Elisabeth. „Also habe ich eine Polizistin gezeichnet, mit Handschellen und allem, was ein Polizist so hat.“ Dann lacht sie. „Nur in Klein.“
