Viele Prognosen der vergangenen Jahre, die der Stadt einen deutlichen Bevölkerungsrückgang vorausgesagt haben, sind nicht das Papier wert gewesen, auf dem sie geschrieben wurden. „Mainz wird schrumpfen“, titelte etwa eine inzwischen nicht mehr ortsansässige Lokalzeitung vor einem Vierteljahrhundert. Seitdem hat sich die Zahl der Einwohner von 190.000 auf fast 230.000 erhöht. Ungeachtet solcher Vorhersagefehler braucht es für die Stadtplanung weiterhin datenbasierte Einschätzungen, um zum Beispiel genügend Plätze in Kindertagesstätten, Schulen und Altenheimen vorzuhalten. In diesem Kontext ist der am Mittwoch vorgestellte Wohnungsmarktbericht Mainz 2025 zu sehen, der aktuell von bis zu 7000 fehlenden Wohneinheiten spricht. Für die nächsten zehn Jahre im gesamten Stadtgebiet sehen die Gutachter aber noch Potentiale für gut und gerne 9000 zusätzliche Wohnungen.
„Eine Stadt lässt sich nicht einfach abschließen“
Allerdings werde Mainz, sosehr sich alle Beteiligten auch bemühten, wohl „nie eine Niedrigmietenstadt“ sein, sagte der parteilose Oberbürgermeister Nino Haase. Dafür sei die pulsierende und beständig wachsende Universitätsstadt, die man ja auch nicht einfach abschließen und „fertig bauen“ könne, zu gut gelegen, zu attraktiv und zu lebendig. Wichtig sei es jedoch, Hauptverkehrsadern in die Region wie die Rheinhessenstraße auszubauen, um die Verbindungen zwischen Metropole und Umland zu verbessern. Mainz selbst habe nur eine Fläche von knapp 100 Quadratkilometern; gleichwohl könnten und sollen in einzelnen Stadtteilen wie Hechtsheim und Ebersheim schon noch überschaubare Neubauviertel mit bis zu 3000 Wohneinheiten für bis zu 7000 Menschen realisiert werden.
Trotz vergleichsweise hoher Mieten – zwischen acht und 16 Euro je Quadratmeter – bescheinigen die Gutachter des mit einer Lagebeschreibung beauftragten Berliner Büros Regio Kontext der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, im Untersuchungsraum von 2015 bis 2024 durchaus einiges getan zu haben, um den Druck auf dem Immobilienmarkt zu verringern. Innerhalb von zehn Jahren seien circa 12.000 Wohnungen entstanden, aber andererseits auch viele Neubürger hinzugekommen, sagte Projektleiter Simon Wieland bei der Vorstellung der Daten. Dabei ist es nach Angaben von Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD) gelungen, rund 1200 geförderte Wohnungen neu zu schaffen – ein Plus von gut 20 Prozent.
Von diesem Angebot profitierten längst nicht mehr nur Geringverdiener, sondern immer öfter auch Mittelschicht-Familien. Fast 70 Prozent aller Mainzer wohnen laut der Studie zur Miete, nur 28 Prozent im Eigentum. Und die Binnenwanderung, also ein Umzug innerhalb der Stadtgrenze, sei mit lediglich sechs Prozent auffällig gering, so Wieland. Etwa 15 Prozent aller Mietwohnungen befinden sich im Besitz der Wohnbau Mainz GmbH, die laut Schmöller mit fairen Preisen noch am ehesten zu einer Marktberuhigung beitragen kann.

Vor allem für Senioren wird die Kommune bis 2035 geeignete Wohnmodelle finden und finanzieren müssen, so die Mahnung der Sozialdezernentin. Vorbildlich sei an dieser Stelle das eigens für Ältere aufgelegte Wohnungstauschprogramm des stadtnahen Unternehmens, bei dem Senioren in eine kleinere Bleibe ziehen, damit zum Beispiel eine Familie in die so frei werdende größere Wohnung wechseln kann.
Unstrittig waren viele der großen Mainzer Bauvorhaben der vergangenen Jahre, wie die Umwandlung des Zollhafen-Areals und des früheren IBM-Geländes am Heiligkreuzweg. Allerdings handelte es sich eher um „Preistreiber“, weil für Eigentumswohnungen etwa direkt am Rhein Quadratmeterpreise von zum Teil deutlich mehr als 7000 Euro verlangt wurden. Obwohl es, wie auf dem Gelände der Generalfeldzeugmeister-Kaserne, laut Baudezernent Ludwig Holle (CDU) auch innerstädtisch noch einige Entwicklungsflächen gibt, soll künftig vor allem in den äußeren Stadtteilen gebaut werden. Pläne für einen komplett neuen Stadtteil, über die früher immer mal wieder diskutiert wurde, werden zumindest bis 2035 nicht mehr weiterverfolgt.
