Die propalästinensiche Demonstration mit dem Titel „Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und Gewehren – Widerstand ist Völkerrecht“ ist am Samstagnachmittag ohne Zwischenfälle von der Alten Oper bis zum Friedberger Platz gezogen, wo sich am Abend eine Abschlusskundgebung anschloss. Die Polizei zählte 250 Teilnehmer der Demonstration, die auch nach Einschätzung der Behörden ruhig verlief und gegen Ende von einem Regenschauer beeinträchtigt wurde. Es wurden keine Verstöße bekannt.
Der Redner Mahmud Abu-Odeh, der während des größten Teils der Veranstaltung mit dem Mikrofon von einem Fahrzeug aus den Ton der Demonstrationsforderungen vorgab, erläuterte immer wieder mit juristischen Ausführungen seine Aussagen, um sich nach seinen Worten gegen polizeiliche Missverständnisse zu verwahren. Abu-Odehs Auftritt war zunächst von der Stadt Frankfurt untersagt worden mit Verweis auf frühere Verfehlungen, unter anderem war er bei einer Frankfurter Demonstration vom Rednerpult abgeführt worden.
Das Verwaltungsgericht hatte das Verbot aber am Freitagnachmittag aufgehoben. Es gab einem Eilantrag gegen die Anordnung der Stadt statt, weil die Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht eindeutig erwiesen hätten, dass der Redner strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. „Seine Äußerungen müssten bei Mehrdeutigkeit stets im Lichte der Meinungsfreiheit zu seinen Gunsten ausgelegt werden“, schrieb das Gericht. Zudem sei der Redner bislang noch nicht rechtskräftig verurteilt worden. Es seien lediglich Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet worden.

Am Samstag trat Abu-Odeh am emotionalsten auf, als er sich gegen „Trittbrettfahrer“ wandte, die die propalästinenische Bewegung für eigene politische Zwecke missbrauchten. „Wir distanzieren uns von Faschisten, Rassisten und betonen, dass wir gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Faschismus sind“, sagte er. Bevor sich der Zug gegen 16.30 Uhr an der Alten Oper in Bewegung setzte, hatte er zudem ausdrücklich erläutert, wie der Titel der Veranstaltung gedeutet werden müsse, der unter anderem für Uwe Becker, den Antisemitismusbeauftragten der hessischen Landesregierung, Anlass war, ein Verbot der Demonstration zu fordern. Für Becker kam der Slogan einem „Aufruf zum Judenmord“ gleich. Abu-Odeh sagte hingegen, dass es allein um den bewaffneten Widerstand des palästinensischen Volkes gehe, der vom Völkerrecht legitimiert sei und nicht um wahlloses Töten von Zivilisten. Während des Protestzugs skandierte er die gewohnten Vorwürfe gegen Israel, aber auch Deutschland als Finanzier des Krieges. Zudem sicherte er den Menschen in Gaza die Solidarität der Demonstranten zu.
Becker gehörte zu den Rednern bei einer Gegendemonstration, zu der unter anderem die Deutsch-Israelische Gesellschaft aufgerufen hatte. Sie zeigte am Opernplatz, gut 50 Meter entfernt und durch die Polizei von den propalästinensischen Demonstranten getrennt, Flagge, vor allem mit israelischen Fahnen, aber auch jenen von Schah-Anhängern. Als sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte, zogen die Gegendemonstranten in gebührendem Abstand hinterher. Zu Berührungspunkten oder gar Konflikten kam es nicht. Sie setzten vielmehr die Ankündigung ihres Anführers um, „nicht bis halb zehn denen hinterher zu dackeln“. Stattdessen löste sich der Gegendemonstrationszug vor Erreichen des Friedberger Platzes auf.
